Interessantes und Kurioses von Länderspielen und Nationalspielern (1901-1910)
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1901
Mark Dickson Bell wurde 1881 in Edinburgh geboren, spielte für Rosebery FC und St. Bernard's FC, ehe er sich im Oktober 1900 dem großen Ortsrivalen Heart of Midlothian FC Edinburgh anschloß. Der beidfüßige Flügelstürmer bestritt sein einziges Länderspiel am 2. März 1901, als Schottland gegen Wales nur ein Remis (1:1) erreichte. Im gleichen Jahr gewann er mit den "Hearts" den schottischen Pokal. Ab 1902 wechselte er oft den Verein, Southampton, wieder "Hearts" (1903/04), Fulham, erneut Southampton (1906/07), Clapton Orient und Leyton ab 1910 waren seine weiteren Stationen. Der Schotte war körperlich relativ klein, aber schnell. Er war auch ein vorzüglicher Leichtathlet, vor allem ein glänzender 100-Yards-Sprinter. Später emigrierte er nach Australien, wo sich seine Spur verlor.
Walter Bennett, 1874 in Mexborough (Yorkshire) geboren, war ein Bergarbeiter sowie als Rechtsaußen relativ klein, aber kräfig, aggressiv und torgefährlich. Im Februar 1896 schloß er sich dem Sheffield United FC an, mit dem er zwei Jahre später englischer Meister wurde sowie 1899, 1901 und 1902 dreimal im englischen Pokalfinale spielte und dabei zweimal als Sieger hervorging. Mitten in der Saison 1904/05 wechselte "Cocky" Bennett zu Bristol City FC, mit dem er 1906 Meister der II.Division wurde. Der temperamentvolle englische Flügelstürmer bestritt am 18. März 1901 sein einziges Länderspiel (6:0 gegen Wales) und ließ ab 1907 seine aktive Laufbahn bei Denaby United ausklingen. Noch als Aktiver wurde er am 6. April 1908 bei einem Bergwerksunglück getötet.
Peter Boyle, geboren am 26. April 1876, spielte als Profi beim Sheffield United FC, mit dem er 1899 und 1902 den englischen Pokal gewann. Der Verteidiger absolvierte von 1901 bis 1904 fünf Länderspiele für Irland. Sein Sohn Thomas Boyle wurde 1925 ebenfalls mit Sheffield United englischer Pokalsieger. Am 23. März 1901 in Belfast gegen Wales (0:1) spielte das irische Nationalteam vorerst letztmalig ohne im Ausland tätige Spieler. Die guten irischen Spieler zog es vor allem zu zahlungskräftigen englischen Vereinen.
Charles Burgess Fry wurde am 25. April 1872 in Croydon geboren und besuchte die Repton School und danach das Wadham College in Oxford (bis 1895). Er entwickelte sich zu einem guten, athletischen Verteidiger, der für Old Reptonians, Southampton FC und Portsmouth FC sowie parallel dazu von 1892 bis 1903 für Corinthians London spielte, da er stets Amateur geblieben war. Am 9. März 1901 bestritt er ein Länderspiel für England (3:0 gegen Irland) und ein Jahr später erreichte er mit Southampton das englische Cupfinale. Parallel zum Soccer spielte er mit größerem Erfolg für Oxford, Surrey, Sussex und Hampshire Kricket und skorte 30.886 runs. Als Leichtathlet war er ein exzellenter Weitspringer und 100-Yards-Sprinter. Im Weitsprung hielt er einige Jahre den britischen Rekord und wäre 1893 fast Weltrekord gesprungen. Zudem spielte er Rugby für Oxford, Blackheath, Barbarians und Surrey. Von 1896 bis 1898 war er Schulleiter in Charterhouse, doch dann widmete er sich dem Journalismus und der Politik. Von 1898 bis 1950 übernahm er auch das Marinetraining auf dem Schiff Mercury. Charles Fry verstarb am 7. September 1956.

Charles Burgess Fry
Foto: IFFHS
Bertram Oswald Corbett wurde am 15. Mai 1875 in Thame (Oxon) geboren und besuchte die Thame Grammar School und das Oriel College in Oxford, wo er auch Fussball spielte. Von 1897 bis 1906 spielte er für Corinthians London, zudem noch für den Reading FC. Er war ein extrem schneller und dribbelstarker Linksaußen. "Bertie" Corbett verfaßte die "Annuals of the Corinthians Football Club", die 1906 veröffentlicht wurden. Am 18. März 1901 bestritt er sein einziges Länderspiel. Er blieb stets Amateur und fungierte als Lehrer am Brighton College und war später Schulleiter in Dorset. Er verstarb am 30. November 1967. Sein vier Jahre jüngerer Bruder Reginald Corbett war gleichfalls Linksaußen, besuchte das Malvern College und spielte für Old Malvernians und Corinthians, zwei Londoner Teams. Er war ein kleiner, aber unberechenbarer und torgefährlicher Flügelstürmer, der am 2. März 1903 ein Länderspiel für England (2:1 gegen Wales) bestritt. Auch er blieb wie sein älterer Bruder stets Amateur, war auch als Schulleiter tätig und verstarb am 2. September 1967.
James Iremonger wurde am 5. März 1876 in Norton (Yorkshire) geboren und begann bei Wilford und Nottingham Jardine zu spielen, ehe er sich 1896 dem Nottingham Forest FC anschloß, für den er bis 1910 spielte. Er war ein kräftiger und beidfüßiger Verteidiger. "Jim" Iremonger bestritt 1901 und 1902 je ein Länderspiel für England, war aber auch ein erstklassiger Kricketer, wo er von 1897 bis 1914 für Nottinghamshire spielte und 16.622 runs schaffte. Von 1919 bis 1927 war er dann Soccer-Trainer bei Notts County. Er verstarb am 25. März 1956.
William James Jones wurde 1876 in Penrhiwceiber bei Aberdare geboren und spielte bis 1901 für Aberdare FC, danach einige Monate für Kettering sowie vom Dezember 1901 bis Sommer 1902 für West Ham United sowie noch für Aberaman und Rogerstone (1904 - 1906). Der Läufer "Bill" Jones war der erste Nationalspieler vom südlichen Wales und bestritt von 1901 bis 1902 vier Länderspiele für Wales. Er fiel im I. Weltkrieg im Mai 1918 in Serbien, als er bei Royal Welsh Fusiliers diente.
Samuel McAlpine, geboren am 7. Dezember 1878, war der Torhüter von Cliftonville FC Belfast. Am 23. Februar 1901 hütete er in Glasgow das irische Tor, als Schottland zu seinem Länderspielrekordsieg (11:0) kam. Da "Sam" McAlpine nie wieder als irischer Nationaltorhüter berufen wurde, stellte seine Gegentrefferquote von 11,00 einen traurigen Weltrekord dar, den im März 1908 erst der Franzose André Renaux vom Racing Club de Roubaix (ø 12,00) und knapp vier Wochen später der Norweger Sverre Lie von Ski og FK Mercantine Kristiania (ø 13,00) übertreffen sollten.
Albert Wilkes, am 1. Oktober 1874 geboren, spielte für Oldbury Town und Walsall, bevor er sich 1898 Aston Villa anschloß. Als die "Villans" 1898/99 englischer Meister wurden, war er noch Reservist, doch in der folgenden Saison, als das Team aus Birmingham seinen nationalen Titel erfolgreich verteidigte, wurde er Titular. Der rechte Außenläufer bestritt von 1901 bis 1902 fünf Länderspiele für England, verlor aber 1904 an Form und war dann im Verein wiederum nur Reservist. So wechselte Albert Wilkes 1906 zu Fulham, wo er inzwischen als Verteidiger fungierte. 1909 beendete er seine sportliche Laufbahn und konzentrierte sich auf sein Geschäft, jedoch brannte sein Studio durch ein Feuer ab. Dennoch wurde er ein bekannter Fotograf, speziell für West Bromwich Albion und entwickelte dabei neue Techniken. Im September 1934 wurde er zu einem der Direktoren von Aston Villa gewählt, verstarb aber am 9. Dezember 1936.
1902
Das Länderspiel Schottland gegen England fand am 5. April 1902 im Glasgower Ibrox Park vor der damaligen Weltrekordkulisse von 80.500 Besuchern statt. Die provisorisch neu errichtete Westtribüne litt unter dem strömenden Regen, der in der Nacht zum Spieltag hernieder ging. In der 51. Spielminute brach ein Teil der Tribüne, auf der Tausende von Zuschauern standen, zusammen. Es entstand eine große Panik, das Match um die Britische Meisterschaft wurde bei einem Spielstand von 1:1 unterbrochen und der irische Referee James Torrans führte beide Teams in die Umkleidekabinen. Als nach einigen Minuten das Ausmaß dieser Katastrophe sichtbar wurde, entschloß man sich, das unterbrochene Match nicht mehr fortzusetzen. Die furchtbare Bilanz waren 26 Tote und 587 Verletzte.
Die "Scottish Football Association" (SFA) hatte im Juni die "Irish Football Association" (IFA) gebeten, in Belfast ein Länderspiel bestreiten zu können und die gesamten Einnahmen dem "Ibrox Desaster Fund" zu stiften. Die IFA akzeptierte diese Absicht und schlug als Termin den 9. August 1902 vor. Eine hohe Zuschauerresonanz war aber nur erreichbar, wenn in beiden Nationalteams die in englischen Vereinen spielenden irischen und schottischen Asse mitwirkten. Doch die englischen Vereine verweigerten die Freigabe dieser Spieler und der englische Fussballverband (FA) sah dem tatenlos zu. Welch eine inhumane Haltung der Engländer! Da nunmehr auf beiden Seiten nur einheimische Spieler aufgeboten werden konnten, besuchten nur 3.000 Zuschauer dieses Länderspiel (Schottland gewann 3:0) im Balmoral Show Grounds und die finanzielle Hilfe für die betroffenen Glasgower Familien war sehr bescheiden.
Die Begegnung zwischen England und Schottland (2:2) am 3. Mai 1902 in Birmingham war seit der Premiere 1872 das erste Länderspiel zwischen beiden Nationen, in dem beiderseits nur Profis aufgeboten waren. Auf schottischer Seite bestritt Verteidiger Nicol Smith sein 13. und letztes Länderspiel.
Nicol Smith wurde am 25. Dezember 1873 in Darvel (Ayrshire) geboren und spielte zunächst für Vale of Irvine FC, Royal Albert und Darvel FC, bevor er sich 1893 Glasgow Rangers anschloß. Der rechte Verteidiger war mutig im Tackling, furchtlos und stark, aber fair in seinen Aktionen. Noch als Aktiver verstarb er 31jährig am 5. Januar 1905 an Typhus. Seine Ehefrau verstarb nahezu zur gleichen Zeit an der gleichen Todesursache. Nicol Smith hatte mit den Rangers von 1899 bis 1902 jeweils die schottische Meisterschaft gewonnen und stand von 1894 bis 1904 auch 5mal im schottischen Cupfinale (drei Siege).

Nicol Smith
Foto: IFFHS
Ursprünglich fand am 12. Oktober 1902 auf dem Wiener WAC-Platz nur ein Match der beiden Städte-Auswahlteams zwischen Wien und Budapest (5:0) statt. Österreich und Ungarn gehörten damals zur Österreich-Ungarischen Monarchie. Doch einige Jahre später beschlossen die beiden nationalen Fussballverbände von Österreich und Ungarn übereinstimmend, diesen Städtevergleich aus dem Jahre 1902 noch nachträglich als offizielles Länderspiel aufzunehmen. Eine Prozedur, die nicht unlogisch erscheint, da die beiden nationalen Verbände zur Realisierung dieses Städtespiels beigetragen hatten und auch in den folgenden Jahren alle Nationalspieler beider Verbände leistungsmäßig nur Vereinen beider Städte angehörten.
In Österreich hatten selbst die Nationalspieler zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Repressalien zu rechnen, insbesondere der akademische Nachwuchs. So spielten nicht wenige auch im Nationalteam unter einem Pseudonym. Zu diesen gehörten von 1902 bis 1906: "Eipel" (Wilhelm Eipeldauer / First Vienna FC), "Omlady" (Emil Waducha / Wiener Athletiksport-Club), "Quick" (Raimundo Mössner / Deutsche Jugendmannschaft Währing Wien), "Mac John" (Max Leuthe / Wiener Athletiksport-Club), "A.N.Other" (Pulchert / First Vienna FC) und "Lintsch" (Heinrich Lenczewsky / First Vienna FC).
1903
Henry Davis wurde am 25. Februar 1880 in Wombwell bei Barnsley geboren, begann in seiner Geburtsstadt Fussball zu spielen, bevor er sich im Januar 1900 Sheffield Wednesday anschloß. Mit den "Owls" gewann er 1903 und 1904 die englische Meisterschaft. "Harry" Davis bestritt 1903 drei Länderspiele für England. Als Rechtsaußen war er sehr torgefährlich, weil er schußentschlossen war sowie hart und plaziert schoß. In der englischen Elite-Liga war er mit 1,62 m der kleinste Spieler, aber 76 kg schwer. In der Saison 1906/07 brach er sich ein Bein und konnte danach nur noch selten spielen. So fungierte er als Co-Trainer. Er verstarb 1962
Am 13. September 1903 spielten in Buenos Aires erstmals drei Brüder im uruguayischen Nationalteam. Dies waren Torhüter Amílcar Céspedes (geb. 15. Mai 1882), Rechtsaußen Bolívar Céspedes (geb. 10. Dezember 1883) und Mittelstürmer Carlos Céspedes (geb. 31. Dezember 1884), die alle für den Club Nacional de Football Montevideo spielten. Auch erzielten die beiden genannten Feldspieler in diesem Länderspiel alle drei Tore beim Sieg über Argentinien (3:2).
Juan Pena (1882 - 6.4.1964), der Halbrechte von CURCC Montevideo, bestritt von 1905 bis 1910 zehn Länderspiele für Uruguay und war auch zweimal ihr Kapitän. Er war ein Allroundsportler großen Ausmaßes, denn er war nationaler Meister im Golf, Rudern, Tennis und Fussball sowie ein erstklassiger Kricketer. Als Fussballer spielte er für fünf verschiedene Montevideoer Vereine und 1908 zudem in Argentinien für Belgrano AC Buenos Aires.

Juan Pena
Foto: IFFHS
John Sharp wurde am 15. Februar 1878 in Hereford geboren und spielte zunächst für Hereford Thistle, bevor er 1897 zu Aston Villa wechselte. Zwei Jahre später zog es ihn dann zum Everton FC, mit dem er 1906 und 1907 das englische Pokalfinale bestritt. Er war ein prominenter Rechtsaußen in der englischen Top-Liga der I. Dekade im 20. Jahrhundert, bestritt aber 1903 und 1905 nur jeweils ein Länderspiel für England. "Jack" Sharp war sehr antrittsschnell, clever und spielte für einen Flügelstürmer ungewöhnlich hart. Als Kricket-Spieler war er so gut, daß er ebenfalls für England spielte und ansonsten in dieser Sportart von 1899 bis 1925 für Herefordshire und Lancashire. Er skorte über 22.000 runs und war beruflich ein bekannter Sportausrüster in Liverpool. Ab 1923 war er auch einer der Direktoren vom Everton FC, für den er bis 1910 gespielt hatte. "Jack" Sharps verstarb am 27. Januar 1938.
James Watson wurde am 4. Oktober 1877 in Motherwell geboren und spielte ab 1895 für Burnbank Athletic, ehe er im Dezember 1897 zum Clyde FC Glasgow wechselte. Zwei Jahre später wechselte der linke Verteidiger nach Sunderland, wo er 1902 der Meister-Elf angehörte. Von 1907 bis 1910 spielte er noch für den Middlesborough FC. "Jim" Watson bestritt von 1903 bis 1909 sechs Länderspiele für Schottland. Er zählte trotz seiner 86 kg zu den besten britischen Verteidigern und war sehr kopfballstark. Nach seiner aktiven Karriere fungierte er als Assistenztrainer, bevor er nach Kanada emigrierte, dort aber während des I. Weltkrieges verstarb.
Verteidiger Carlos Carr Brown (25.2.1882 - 12.8.1926) war Mitglied der berühmten Brown-Familie, die zu den Pionieren im argentinischen Fussball gehört. Er studierte und spielte auch Fussball in Großbritannien. Er hatte vier Brüder, die ebenfalls argentinische Nationalspieler waren. Jorge Gibson Brown (3.4.1880 - 31.1.1936) hatte als Mittelstürmer begonnen, bevor er als Verteidiger sehr populär wurde. Ernesto A. Brown (7.1.1885 - 12.7.1935) war der linke Außenläufer, der wie alle Brüder für Alumni AC Buenos Aires spielte. Die weiteren zwei Brüder Alfredo C. Brown (1.12.1886 - 30.8.1958) und Eliseo Brown (geb. 29.10.1888) waren Stürmer. Diese fünf Brown-Brüder hatten einen Vetter namens Juan Dodds Brown (born 21.6.1888), der ab 1906 auch im Nationalteam als Verteidiger spielte. Mehr als drei Brown-Brüder und ihr Vetter spielten niemals gleichzeitig im Nationalteam.
Die fünf Brown-Brüder bestritten insgesamt 44 Länderspiele. Damit führten sie betreffs der Länderspiel-Einsätze von Brüdern im Jahre 1910 weltweit vor dem Waliser Brüderpaar William Henry und Samuel Meredith (41), vor John und Archibald Goodall (34), den Walisern John, Robert und Charles Richard Morris (31), den Iren Robert und Samuel Torrans (27), den Walisern Thomas David und Maurice Pryce Parry (23) sowie den Belgiern Charles und Arthur Cambier (21).
1904
Hubert Burgess, am 25. Februar 1883 in Openshaw (Manchester) geboren, begann bei der heimischen United zu spielen und kam über Glossop im Jahre 1903 zu Manchester City. Vom 1. Januar 1907 bis 1910 spielte er für den Ortsrivalen United. Mit den "Citizens" wurde "Herbert" Burgess 1904 englischer Pokalsieger und mit "ManU" 1908 englischer Meister. Er spielte linken Verteidiger und absolvierte von 1904 bis 1906 vier Länderspiele für England. Ab 1910 ging er als Trainer nach Ungarn, Spanien, Italien, Portugal und Brasilien.
In Schottland gab es innerhalb eines Vierteljahrhunderts drei Nationalspieler mit dem gleichen Vor- und Familiennamen John Cameron. Der Erste spielte 1886 als Verteidiger im Nationalteam und gehörte Glasgow Rangers an. Der zweite John Cameron (13.4.1872 - 20.4.1935) war der Halbstürmer von Queen's Park FC Glasgow und der Dritte bestritt 1904 und 1909 je ein Länderspiel und gehörte während der Berufungszeit St. Mirren FC Paisley bzw. Chelsea FC London an. Auch er war ein Verteidiger.
Thomas Davies wurde 1872 in Cefn Mawr (Ruabon) geboren und kam 1890 von Brockside Villa zu Druids FC Ruabon, für den er dann bis 1910 spielte. Er war von eiserner Konstitution und niemals verletzt. Von 1898 bis 1904 spielte er mit seinem Verein 5mal im Waliser Cupfinale und gewann dabei diese Welsh Cup-Trophäe 3mal. 1903 bis 1904 bestritt der anfangs Läufer und später Verteidiger spielende "Tom" Davies vier Länderspiele für Wales. Er war ein Verfechter für eine totale Tabak- und Alkohol-Abstinenz, für die er immer wieder mit Vehemenz öffentlich eintrat, bis er in den 50er Jahren verstarb.
George Henry Davis wurde am 5. Juni 1881 in Alfreton geboren und begann frühzeitig bei Derby County zu spielen, wurde aber erst in der Saison 1903/04 Titular. Mit "The Rams" stieg der Linksaußen 1907 ab. Ein Jahr später wanderte George Henry Davis nach Kanada aus, wo er beim Calgary Hillhurst FC weiterspielte und 1922 den Canadian Cup gewann. Mit Derby spielte er 1903 im englischen Pokalfinale und 1904 bestritt er zwei Länderspiele für England. Der oft von Verletzungen geplagte Flügelstürmer kam um 1960 nach England zurück, wo er dann bis zu seinem Tod in Nottingham lebte.
Als Frankreich sein historisch 1. Länderspiel absolvierte, durften nur 12 Spieler mit nach Belgien reisen. Das Team reiste über Nacht von 10 Uhr abends per Eisenbahn von Paris aus und kam 4 Uhr morgens am Spieltag in Brüssel an. Zunächst wurde per Losentscheid geregelt, ob Emile Fontaine oder Jacques Davy spielte, der eigentlich ein besserer Hockey-Spieler als Fussballer war, aber Losglück hatte. Der Jüngste im Team war der einzige Nicht-Pariser, Linksaußen Adrien Filez aus Tourcoing. Die Franzosen spielten bei ihrer Premiere am 1. Mai 1904 in Vivier d'Oie vor 1.500 Besuchern Remis (3:3). Ihr historisch erster Länderspieltorschütze war Louis Mesnier, der unter dem schützenden Pseudonym "Didi" spielte. Die Verantwortlichen des französischen Verbandes (USFSA) bevorzugten in den ersten Jahren bei der Auswahl der Nationalspieler Pariser Akteure und beobachteten gute Spieler in den französischen Provinzen kaum.
Thomas Bruce Niblo wurde am 24. September 1877 in Dunfermline geboren und kam über den Schulfussball und Cadzow Oak zu Hamilton Academicals. Linthouse und Newcastle United (1898-1900), Aston Villa, Nottingham Forest (1904-1906), Watford und wieder Newcastle United (1907/08) waren die weiteren Spielerstationen des rastlosen Flügelstürmers, der 1904 ein Länderspiel für Schottland bestritt. "Tommy" Niblo war ein dribbelstarker und kraftvoller Typ, der auch ein sehr guter Golfer war. Im I. Weltkrieg erlitt er irreversible Verletzungen und verstarb 1933.
Dr. Leslie Henderson Skene wurde am 22. August 1882 in Lambert (Stirlingshire) geboren und besuchte das George Watson's College in Edinburgh und die dortige Universität. Während seines Medizinstudiums spielte er für Edinburgh University. Danach schloß er sich Queen's Park Glasgow an und bestritt 1904 auch ein Länderspiel für Schottland. Er war ein lässiger und ruhiger, aber nicht sehr energischer Torhüter. Als Mediziner wurde er Nierenspezialist. Seine sportliche Laufbahn ließ er ab 1910 in Irland bei Glentoran Belfast ausklingen, nachdem er zuvor drei Saisons für Fulham in London gespielt hatte.
Thomas Parker Sloan wurde am 4. Oktober 1880 in Eastwood (Glasgow) geboren und kam über Thornliebank FC und Glasgow Perthshire 1900 zu Third Lanark. Er war auch ein physisch starker Mittelläufer, groß, schnell und furchtlos und hatte eine gute Spielübersicht. Von Beruf war er zunächst Tischler und zudem Berufsschullehrer. In Anlehnung an einen amerikanischen Jockey nannte man ihn "Tod". 1913 beendete er seine aktive Laufbahn, während der er 1904 schottischer Meister und 1905 schottischer Pokalsieger geworden war. Später wurde er Direktor seines Glasgower Vereins Third Lanark.
Am 9. Oktober 1904 spielte Ungarn in Wien gegen Österreich. Ferenc Gillemot hatte das ungarische Nationalteam in den vorangegangenen vier Länderspielen gecoacht. Doch der ungarische Trainer war so zerstreut, daß er mit dem Koffer, der die Spielkleidung für alle Spieler enthielt, den Termin und den Zug verpaßte und dann auch nicht nachreiste. So stand das ungarische Nationalteam ohne Betreuer, Geld und Spielkleidung in Wien. Die Österreicher zeigten sich jedoch nobel und halfen in jeder Beziehung aus, auch gewannen sie den Länderkampf (5:4) auf dem Cricketer-Platz.
Alfred Ernest Watkins wurde im Juni 1878 in Llanwnnog (Montgomeryshire) geboren und begann seine sportliche Laufbahn 1893 bei Caersws und Oswestry United, bevor er für Leicester Fosse (1897-1899), Aston Villa, kurz Grimsby Town, Millwall Athletic (1901- 1906) und Southend United spielte. "Ernie" Watkins war der älteste der sechs Fussball spielenden Brüder und bestritt von 1898 bis 1904 fünf Länderspiele für Wales. Er verstarb am 7. Dezember 1957 bei einem Feuer in seinem Haus in Barking (Essex). Nur sein zwei Jahre jüngerer Bruder Walter Martin Watkins schaffte auch den Sprung ins Waliser Nationalteam (10 Länderspiele von 1902 bis 1908). Er kam von Caersws 1894 zu Oswestry United, spielte dann für Stoke FC (1900 - 1904), Aston Villa, Sunderland (1904/05), Crystal Palace London, Northampton (1906/07), Stoke FC, Crewe (1908/09), Stafford Rangers und wieder Stoke FC (1911 - 1914). Martin Watkins war ein kleiner Halbstürmer, dominant auf dem Spielfeld, aber unruhig und bis 1911 nicht seßhaft außerhalb des Rasens. Er verstarb am 14. Mai 1942 in Stoke.

Alfred Ernest "Ernie" Watkins
Foto: IFFHS
Samuel Wolstenholme wurde im März 1876 in Little Lever (Lancashire) geboren und begann bei Farnworth Alliance zu spielen, bevor er über Horwich 1897 zum Everton FC kam. Nach sieben Spieljahren wechselte er zu Blackburn Rovers. Als rechter Läufer bestritt er von 1904 bis 1905 drei Länderspiele für England. Seine letzten Spielerstationen waren Croydon Common (1908/09) und Norwich City (1909-1913). Der im Abspiel präzise und trickreiche Läufer ging sofort nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn als Trainer nach Deutschland, wo er dann bei Ausbruch des I. Weltkrieges unschuldig jahrelang interniert wurde, nur weil er Engländer war.
1905
Als die Schweiz am 12. Februar 1905 im Pariser Parc des Princes ihr Länderspieldebüt gegen Frankreich (0:1) bestritt, bezahlte die Schweizerische Football Association (SFA) für ihre Spieler die Fahrkosten für die 3. Klasse (Eisenbahn) und ein Taschengeld von 12,60 SFr. pro Spieler. Ihr Kapitän und Mittelstürmer Eduard Garonne gab jedoch das Taschengeld zurück, da es die Vereinsstatuten der Züricher "Grasshoppers" nicht erlaubten, Geld anzunehmen.
Donald McLeod wurde am 28. Mai 1882 in Laurieston bei Falkirk geboren, war über Stenhousemuir 1902 zu Glasgow Celtic gekommen, wo er sich zu einem kräftigen und resoluten rechten Verteidiger entwickelte. Von 1905 bis 1906 bestritt er vier Länderspiele für Schottland. Von Oktober 1908 bis 1913 spielte er im englischen Middlesborough. Während des I. Weltkrieges diente er bei der Royal Field Artillery als Kanonier und wurde am 6. Oktober 1917 35jährig in Belgien getötet.
Der linke schottische Verteidiger am 18. März 1905 in Glasgow (4:0 gegen Irland) war William McIntosh von Third Lanark, der am Saisonende (1905/06) zum Glasgower Ortsrivalen Partick Thistle wechselte. Er emigrierte noch vor dem I. Weltkrieg nach Kanada und machte dort als Politiker Karriere. Mitte der 1930er Jahre war er bis in die regionale Regierung in Edmonton (Alberta) vorgestoßen.
Der fangsichere Torhüter John Lyall (16.4.1881-19.2.1944) war in Dundee geboren worden und wechselte 1901 von Jarrow nach England zum Sheffield Wednesday FC, mit dem er 1903 und 1904 die englische Meisterschaft gewann und 1907 den englischen Pokal dazu. 1909 bis 1911 spielte er für Manchester City und danach noch bis 1914 für den Dundee FC. 1905 bestritt er ein Länderspiel für Schottland (1:0 gegen England). Auch er emigrierte nach Nordamerika, wo er als Gipser in Kanada arbeitete, aber in den USA verstarb.
Am 30. April 1905 hütete der in Belgien lebende Engländer Eric Thornton das belgische Nationaltor gegen die Niederlande. Als die Franzosen am 7. Mai 1905 in Brüssel gegen die gastgebenden Belgier zum Länderspiel antraten, protestierten die Franzosen gegen die Mitwirkung des englischen Torhüters auf der Gegenseite. So begann das Match erst mit einer Stunde Verspätung, da die Belgier erst einen neuen Keeper, Robert Hustin vom Racing Club de Bruxelles, herbeiholen mußten. Dieses Länderspiel sollte vom englischen Referee John Lewis geleitet werden, doch die Kutsche, die ihn vom Bahnhof zum Spiel bringen sollte, hatte sich enorm verfahren, so daß er erst 15 Minuten nach dem Anpfiff des bereits mit einer Stunde Verspätung begonnenen Länderspiels eintraf, dann aber sofort die Spielleitung übernahm. Bis dahin hatte der spätere belgische FIFA-Präsident Rodolf William Seeldrayers die Spielleitung übernommen, unter dem der Spielstand torlos geblieben war. Am Ende siegten die gastgebenden Belgier (7:0) hoch.

Eric Thornton
Foto: IFFHS
Die Belgier hatten dieses Länderspiel nur mit zehn Akteuren begonnen, da Mittelstürmer Gustave Vanderstappen von Union St.-Gilloise erst einige Minuten nach dem Anstoß auf dem Spielplatz Vivier d'Oie eintraf, der Heimstätte vom Racing Club de Bruxelles, die sich in der damals noch selbständigen Gemeinde Uccle (Ukkel) im Süden von Brüssel befand. Doch die einstündige Verspätung, durch den oben erwähnten Protest verursacht, hatte für den französischen Torhüter Georges Crozier von Union Sportive Parisienne Konsequenzen. Er mußte vorzeitig bei einem Spielstand (0:4) in der 65. Minute das Spielfeld verlassen, um noch den Zug zu erreichen, um wieder pünktlich in der Kaserne zu sein, wo er seinen Militärdienst ableistete. So spielten die Franzosen das Länderspiel in Unterzahl zu Ende, Kapitän und Verteidiger Fernand Canelle ging dafür ins Tor und mußte noch dreimal hinter sich greifen. Der französische Außenläufer Charles Wilkes vom ältesten französischen Fussballverein Havre Athletic Club (1872 gegründet) stammte von der Normannischen Insel (Channel Islands), hatte aber inzwischen die französische Staatsbürgerschaft angenommen.
1905 spielten in allen drei Länderspielen in der Waliser Elf in der Läuferreihe Edward und John Hughes zusammen, die nicht miteinander verwandt waren. "Teddy" Hughes, 1876 in Ruabon geboren, spielte von 1899 bis 1908 für die Londoner "Spurs" und absolvierte von 1899 bis 1907 14 Länderspiele für Wales. Er war ein ideenreicher und kopfballstarker Mittelläufer. "Jack Geezer" Hughes wurde im April 1877 in Flint geboren und spielte von 1903 bis 1906 ebenfalls in England (Liverpool FC). Er bestritt als Außenläufer nur die erwähnten drei walisischen Länderspiele 1905. Eine Verletzung beendete 1908 bei Plymouth Argyle seine aktive Laufbahn. Man sagte ihm verwandtschaftliche Bindungen zu Irland nach, so daß er vor dem Länderspiel am 8. April 1905 in Belfast (2:2 gegen Irland) seinen Nationalitätennachweis dem irischen Fussballverband (IFA) vorlegen mußte, bevor er auf der Waliser Seite mitwirken konnte.
Auf Linksaußen spielten 1905 bei den Walisern Alfred Oliver vom Bangor FC oder Robert Atherton vom Middlesbrough FC. Alfred Oliver wurde am 15. September 1882 in Bangor geboren und spielte mit Ausnahme der Saison 1905/06 (Blackburn Rovers) von 1903 bis 1914 für den Football Club in seinem Geburtsort, bestritt aber nur 1905 zwei Länderspiele. Zuvor war er 11jährig für mehrere Jahre nach Min y Don auf die Isle Anglesey zu seinem Großvater gezogen und besuchte dort die Beaumaris Grammar School. Nach dem I. Weltkrieg spielte Alfred Oliver noch für Llandegfan und arbeitete in der Bauindustrie. Er verstarb am 29. März 1963 auf der erwähnten Insel in Glyn Garth (Menai Bridge). Sein Sohn Glyn Oliver arbeitete als Aerospace Designer in den USA und war im Apollo-Mond-Lande-Projekt involviert.
Robert Atherton wurde am 29. Juli 1876 in Bethesda (Caernarfonshire) geboren, wuchs aber schon als Kind in Schottland auf, wo er auch höhere Schulen besuchte und bei Dalry Primose zu spielen begann. Über Heart of Midlothian FC Edinburgh kam er 1898 zum Ortsrivalen Hibernian FC. 1903 ging er nach England, um für Middlesbrough und ab 1906 in London für Chelsea zu spielen. Von 1899 bis 1905 bestritt er neun Länderspiele für sein Geburtsland Wales. "Bob" Atherton diente während des I. Weltkrieges in einem U-Boot, in dem er im November 1917 im English Channel seinen Tod fand.
John Tracey wurde am 24. August 1876 in Llandysilio (Mongomeryshire) geboren und begann als Mittelstürmer bei St. Martin‘s zu spielen. Eines Tages fehlte der Torhüter und "Jack" Tracey vertrat ihn dann dauerhaft. Chirk AAA (1898-1900), Oswestry, Duids FC Ruabon (1902-1904) und Wrexham waren dann seine weiteren Stationen. Doch zunächst war er drei Jahre nur Reservist nach seinem ersten Vereinswechsel. In seiner ersten kompletten Saison (inzwischen bei Druids) hielt er 12 der 18 gegen seine Mannschaft verhängten Elfmeter und bestritt 1905 auch ein Länderspiel für Wales (2:2 in Belfast gegen Irland). 1906 wurde er als professioneller Fussballer entlarvt und disqualifiziert. Nach über einem Jahr Unterbrechung nahm er den Namen "Morgan" von seinem Onkel an und begann 1907 im gleichen Verein wieder zu spielen, der nach außen nichts ausplauderte. Chirk AAA und Chester (1910/11) waren seine letzten Spieler-Stationen. So ging er als John Tracey Morgan in die Annalen des Waliser Fussballs ein. Beruflich war er ein Unter-Tage-Manager in Chirk und verbrachte auch einige Zeit in einem Kohlebergbau in China.
Der irische Torhüter am 8. April 1905 gegen Wales (2:2) war Robert Reynolds von The Bohemians FAC Dublin. Er war im gleichen Jahr irischer Meister im Radfahren geworden. Es blieb sein einziges Länderspiel im Soccer für Irland.
1906
James Conlin wurde am 6. Juli 1881 in Durham geboren und spielte für Celt's Rovers Cambuslang, Hibernian Edinburgh, Falkirk, Albion Rovers und schließlich ab 1904 für die englischen Vereine Bradford City, Manchester City (1906-1911) und Birmingham FC, bevor es ihn 1912 nach Schottland zurück zog und er sich Kilmarnock anschloß. Er war ein geborener Fussballer, ein cleverer Flügelstürmer, der sehr viele Tore vorbereitete. Am 7. April 1906 bestritt er sein einziges Länderspiel für England, das in Glasgow Schottland (1:2) unterlag. Der Linksaußen diente während des I. Weltkrieges in der 15. Highland Light Infantry und fiel am 23. Juni 1917 in Flandern (Belgien).
Am 22. April 1906 gab in Paris Rechtsaußen Alphonse Wright (geb. 2.9.1887) vom Racing Club de Bruxelles sein Länderspieldebüt für Belgien. Daß er Engländer und damit gar nicht spielberechtigt war, hatten weder die gastgebenden Franzosen noch die "Union Belge des Sociétés de Sports Athlétiques" (UBSSA) bemerkt. Erst zwei Jahre später, als er bereits 5mal für Belgien gespielt hatte, entdeckte der belgische Verband, daß Alphonse Wright nur die englische Nationalität besaß und berief ihn folglich nicht wieder ins Nationalteam. Der Spieler selbst hatte es geschickt verstanden, dies zu verheimlichen.

Alphonse Wright
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Als Belgien am 29. April 1906 nach einem großen Spiel in Antwerpen den niederländischen Rivalen (5:0) besiegt hatte, feierte die belgische Presse diesen famosen Sieg und es tauchte erstmals die Bezeichnung "petit diables rouges" auf. Aus diesen kleinen roten Teufeln wurde dann der Beiname "Diables Rouges" bzw. in Flämisch "Rode Duivels". Dieser Begriff wurde von den Belgiern selbst zunächst nur bei den inoffiziellen Auswahlspielen der Belgier verwendet, doch nach einigen Jahren bezeichnete man weltweit das belgische Nationalteam mit diesem Attribut. Und dies ist noch heute so.
Valentin Harris, am 23. Juni 1884 geboren, spielte für Shelbourne FC Dublin und gab am 17. Februar 1906 auf der Solitude in Belfast sein Länderspieldebüt im irischen Nationalteam, das England (0:5) unterlag. Der Innenstürmer bestritt bis 1914 20 Länderspiele. Doch "Val" Harris war auch ein hervorragender Gaelic Footballer und gewann in dieser Sportart 1901 mit Dublin das All-Ireland-Medal. Der Gaelic Football war und ist in vielen Regionen Irlands populärer als der Soccer.
Dr. Thomas Mayne Reid Waddell studierte Medizin und spielte für Cliftonville FC Belfast, dessen Kapitän er von 1904 an war. 1906 war sein großes Jahr, einmal gab der torgefährliche Mittelstürmer am 17. März sein Debüt im irischen Nationalteam, das in Dublin Schottland (0:1) unterlag, zum anderen erhielt er 1906 die Approbation, verteidigte seine Promotion und praktizierte fortan als niedergelassener Arzt in Glossop, wo er bis 1908 noch einige Liga-Spiele für den dortigen Zweit-Ligisten bestritt. Später infizierte sich der Chirurg bei einem Kind und verstarb daran frühzeitig am 19. Mai 1926 44jährig im Hospital Haydock (Glossop).
Die tschechische Fussball-Union gehörte seit 1906 provisorisch der FIFA an und wurde ein Jahr später volles Mitglied. Folglich waren die Tschechen nunmehr berechtigt offizielle A-Länderspiele auszutragen. Doch bei der Länderspielpremiere am 1. April 1906 in Budapest gegen Ungarn (1:1) hatten sich die beiden stärksten Prager Vereine SK Slavia und AC Sparta geweigert, ihre Spieler zur Verfügung zu stellen. Beide Vereine lagen mit dem "Český svaz footballový" im Clinch. Doch die ungarische Presse war darüber sehr verärgert, da sie dies als Unterschätzung des ungarischen Fussballs wertete. In diesem Länderspiel spielte auf tschechischer Seite auf dem rechten Flügel das Brüderpaar Vladimír und Bohumil Jelínek (beide FK Smíchov Praha) unter den Pseudonymen "Jelen" und "Milka".
Der ungarische Fussballverband hatte 1906 Alfréd Hajós-Guttmann als neuen Nationalcoach berufen. Als Halbstürmer war er 1902 noch selbst als Spieler bei der ungarischen Länderspielpremiere in Wien (0:5 gegen Österreich) dabei gewesen und war auch der ungarische Spielführer. Der am 1. Februar 1878 geborene Multi-Sportler war mit seinem Verein Budapesti Torna-Club 1901 und 1902 ungarischer Meister geworden und hatte noch bis 1903 selbst gespielt. Er erzielte auch viele Tore. Zuvor, 1896 war er in Athen Ungarns erster Olympiasieger (im 100 m Freistil-Schwimmen) geworden.
James S. Young wurde am 10. Januar 1882 in Kilmarnock geboren und kam über Dean Park FC zum großen Ortsrivalen Kilmarnock FC. Barrow und Bristol Rovers waren seine weiteren Stationen, bevor er sich 1903 Glasgow Celtic anschloß und erst infolge einer Verletzung 1917 seine aktive Laufbahn beendete. Mit den "Celts" gewann er 6mal den schottischen Pokal und 9mal die schottische Meisterschaft. Er war rechter Läufer, langjährig auch Kapitän, und alle nannten ihn nur "Sunny Jim", auch war er sehr beständig und konditionsstark. "Sunny Jim" Young bestritt jedoch nur ein Länderspiel für Schottland, am 17. März 1906 in Dublin gegen Irland (1:0). Am 4. September 1922 verlor er bei einem Motorrad-Unfall sein Leben.

James "Sunny Jim" S.Young
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Beim überraschenden 2:0-Erfolg von Wales am 3. März 1906 über Schottland spielten im Waliser Nationalteam drei Jones im Angriff, die nicht miteinander verwandt waren. Rechtsaußen William Jones ( .4.1882-13.7.1941), in Chirk geboren, wurde nur "Lot" Jones genannt. Der Halblinke Richard Jones, 1879 in Mongomeryshire geboren, wurde nur "Dick" Jones genannt und war der Bruder von Edward und "Will" Jones, die auch für Millwall spielten. Mittelstürmer John Jones, 1885 in Rhyl geboren, wurde nur "Love" Jones genannt. Er spielte für Rhyl, Stoke (1905-1907), Crewe, Middlesbrough (1909-1911) und Portsmouth. Noch als Aktiver erkrankte "Love" Jones an Tuberkulose und verstarb fünf Monate später am 21. Dezember 1913 28jährig in seinem Geburtsort.
Héctor J. Henman wurde am 5. Januar 1879 in Oxford (England) geboren, wanderte frühzeitig nach Südafrika aus, wo er weiterhin Fussball spielte und in die südafrikanische Auswahl gelangte, die 1906 eine Südamerika-Tournee unternahm. Héctor Henman kehrte nicht wieder nach Südafrika zurück und blieb in Argentinien, wo er sich dem dortigen Top-Club Alumni AC Buenos Aires anschloß. Am 21. Oktober 1906 gab der Halbstürmer sein Debüt im argentinischen Nationalteam, das in Buenos Aires Uruguay (2:1) besiegte. In diesem Match spielte auf der Position des Linksaußen Wilfredo A. Stocks vom Belgrano AC, der am 5. April 1883 in Nottingham geboren wurde und als Kleinkind mit seinen Eltern nach Argentinien ausgewandert war. Er verstarb als argentinischer Internationaler 1977 im Alter von 94 Jahren.
Joseph William Henry Makepeace wurde am 22. August 1881 in Middlesbrough geboren und begann in der Liverpool School Fussball zu spielen. Über die Liverpool Juniors kam er 1903 zum Everton FC, den er dann nicht wieder verließ. Als linker Außenläufer spielte er relativ offensiv und bestritt von 1906 bis 1912 vier Länderspiele für England. Mit den "Toffeemen" gewann er 1906 den "English Cup" und erreichte ein Jahr später nochmals das Pokalfinale sowie 1915 den englischen Meistertitel. "Harry" Makepeace besaß auch die Fähigkeiten eines Allrounders. Zudem war er ein erstklassiger Kricketer, spielte in dieser Sportart von 1906 bis 1930 für Lancashire und skorte 25.745 runs und vertrat England in dieser Sportart auch international. Später fungierte er als Kricket-Coach und verstarb am 19. Dezember 1952.
Edward Gordon Dudas Wright wurde am 3. Oktober 1884 in Earlsfield Green (Surrey) geboren und besuchte die St. Lawrence School, das Queen's College in Cambridge sowie die Royal School of Mines. Als er für Cambridge University spielte, bestritt er am 19. März 1906 ein Länderspiel für England (1:0 gegen Wales). Er spielte nach seinem Studium für Worthing, Reigate Priory, Leyton, Portsmouth und Hull City sowie parallel für Corinthians London. Von 1908 bis 1912 absolvierte er mit der englischen Amateur-Nationalmannschaft 15 offizielle A-Länderspiele, in denen er fünf Treffer erzielte und auch zum Aufgebot des Olympiasiegers von 1912 gehörte. "Ted" Wright wurde Dozent des Hymer College in Hull, ging aber 1913 als ausgebildeter Bergwerks-Ingenieur nach Südafrika, wo er nach einem Zwischenaufenthalt in den USA im Juni 1947 auch 62jährig verstarb.
Samuel Hulme Day wurde am 29. Dezember 1878 in Peckham geboren, besuchte das Malvern College und das Queen's College in Cambridge, wo er auch sportlich aktiv war. Nach dem Studium, er wurde Lehrer, spielte er für Old Malvernians London und lehrte an der Westminster School. 1906 bestritt der Halbrechte drei Länderspiele für England und erzielte dabei auch zwei Tore. Als Englands Amateur-Nationalmannschaft 1906 in Paris ein offizielles A-Länderspiel gegen Frankreich (15:0) gewann, war er ebenfalls dabei und erzielte zwei Treffer. Parallel spielte er während seiner Studienzeit und danach weiter bis 1912 auch für Corinthians London. "Sammy" Day war auch ein hervorragender Kricket-Spieler, spielte von 1897 bis 1919 für Kent, wo er auf höchster Ebene auf 7.722 runs kam.

Samuel "Sammy" Hulme Day
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In England hatten die großen und berühmten Schulvereine eine eigene "Amateur Football Association" (AFA) gegründet, die nicht der "Football Association" (FA) untergeordnet war oder angehörte. Diese AFA stellte auch ein Auswahlteam zusammen, das gegen französische Auswahlteams von konkurrierenden nationalen französischen Verbänden gestellt wurde, die gleichfalls nicht der FIFA angehörten und folglich ebenso wie die AFA nicht berechtigt waren, offizielle A-Länderspiele auszutragen. Samuel Hulme Day spielte auch einige Male für diese AFA-Auswahl, die am 18. März 1909 in Paris die französische USFSA-Auswahl (8:0) besiegte und das Rückspiel am 12. März 1910 in Ipswich gar 20:0 gewann. "Sammy" Day erzielte im erstgenannten Match fünf und im zweiten gar 11 (!) Tore, die aus erwähnten Gründen nicht als Weltrekord anerkannt werden konnten. Der Stürmer mit dem akademischen Grad "Master of Arts" (der Künste) verstarb am 20. Februar 1950.
Das französische Nationalteam hatte bis zum I. Weltkrieg 36 offizielle Länderspiele bestritten. Im I. Weltkrieg fielen folgende 17 französische Nationalspieler: Marius Royet (Union Sportive Parisienne), Henry Gigot (Club Français Paris), André François (Racing Club de Roubaix), André Puget (Racing Club de Paris), Albert Jenicot (Racing Club de Roubaix), René Fenouillere (Red Star Amical Club de Paris), Pol G.Morel (Red Star Amical Club de Paris), Francis Vial (Club Athletique de Vitry), Charles Dujardin (Union Sportive Tourquennoise), Émile Dusart (Racing Club de Roubaix), René Camrad (Association Sportive Franais Paris), Julien Denis (Racing Club de Calais), Charles Geronimi (AF Garenne Colombes Paris), Ernest Gueguen (Union Sportive Servannaise et Malouine Saint-Malo), Jean Loubière (Gallia Club de Paris), Pierre Six (Olympique Lillois), J. Verbrugge (Association Sportive Française Paris). Die Vereinszugehörigkeit wurde jeweils beim Länderspieldebüt zugeordnet. Der französische Nationaltorhüter Zacharie Baton von Olympique Lilloise, der von 1904 bis 1906 vier Länderspiele bestritt, verlor 1915 im I. Weltkrieg ein Bein.
Jonkheer Constant Willem Feith wurde am 3. August 1884 geboren. Der Adlige studierte Jura und wurde Richter. Auch war er ein sehr talentierter Sportler, spielte für die Niederlande im Kricket-Nationalteam und gab am 29. April 1906 auch im niederländischen Fussball-Nationalteam sein Debüt, das in Antwerpen gegen Belgien (0:5) verloren ging. Auf nationaler Ebene spielte er für HVV Den Haag, dem erfolgreichsten niederländischen Verein in der I. Dekade des 20. Jahrhunderts. Er war ein Innenstürmer mit ausgeprägtem Torinstinkt, obgleich seine technischen Möglichkeiten begrenzt waren. In einem Pokalspiel 1904, das der HVV gegen Bussumsche FC (20:0) gewann, erzielte er allein zehn Tore. In der Saison 1906/07 bestritt er insgesamt 29 Spiele, in denen er 53 Tore erzielte. 1908 wurde der körperlich robuste "Wim" Feith zum Verteidiger umfunktioniert. Am 26. September 1920 bestritt er sein 350. und letztes Match (aller Kategorien) für HVV, in denen er 234 Tore erzielte, obgleich er in den letzten 12 Jahren in der Abwehr spielte. "Wim Herr von" Feith verstarb am 15. September 1958.
1907
George Owen Williams wurde im September 1879 in Wednesday (Birmingham) geboren und spielte zunächst für Kings Hill School, Monway FC, Oldbury und Wednesbury Old Athletic, bevor er im Oktober 1900 zu West Bromwich Albion wechselte. Ab 1902 spielte er für Brierley Hill Alliance, Kidderminster Harriers, Wrexham, Stafford Rangers, Willenhall Swifts und Walsall. Er war wahrhaftig ein Wandervogel, aber auch ein brauchbarer Mittelläufer. Obgleich er auf englischem Boden geboren wurde, bestritt er am 23. Februar 1907 in Belfast ein Länderspiel für Wales (3:2 gegen Irland). Während des I. Weltkrieges diente George Williams beim Kings Royal Rifle Corps und wurde 1916 in Frankreich getötet.
Als Irland am 23. Februar 1907 in Belfast Wales (2:3) unterlag, gab der linke Außenläufer George McClure von Cliftonville FC Belfast sein Länderspieldebüt. Er war ein am 26. Juli 1885 in Schottland geborener Ire. Der irische Nationalkeeper an diesem Tag war James John Sherry von The Bohemians FAC Dublin. Der 2fache Internationale verstarb am 26. Januar 1914 27jährig. Der irische Rechtsaußen in diesem Länderkampf war John Blair von Cliftonville FC Belfast, ein am 12. November 1882 geborener Flügelstürmer, der in der Saison 1921/22 Präsident der "Irish League" wurde.
In Belgien war es 1907 bezüglich des Nationalteams zu unerträglichen Verhältnissen gekommen, die vor allem bei Testspielen auftraten. Die belgische Auswahl hatte in Köln ein Match gegen die Vertretung des Rheinisch-Westfälischen Spiel-Verbandes (2:0) gewonnen. Die Rückreise erfolgte noch am selben Abend und die vier Spieler aus Brügge (Arthur und Charles Cambier, Robert De Veen, Hector Goetinck) kamen spät abends auf dem Brüsseler Bahnhof an und wurden sich selbst überlassen. Erst verbrachten sie die Reise auf hölzernen Bänken, dann die Nacht auf Holzbänken auf dem Bahnhof, um am nächsten Tag endlich Brügge wieder zu erreichen. Auch hatten die Nationalspieler ihr gebrauchtes Auswahltrikot etc. zum nächsten Länderspiel wieder mitzubringen oder vorher gewaschen zum Auswahlkomitee zu senden.
Thomas Alexander Jackson wurde am 12. November 1878 in Thornliebank (Renfrewshire) geboren und begann beim Summerlee Juveniles und Thornliebank FC zu spielen, bevor er sich 1898 St. Mirren FC Paisley anschloß, dem er 11 Saisons die Treue hielt. Der rechte Verteidiger war ein "gentlemanly player" und blieb stets Amateur. Von 1904 bis 1906 bestritt er sechs Länderspiele für Schottland. Zudem war er auch ein ausgezeichneter Bowler und Billard-Spieler. Beruflich war er Hutverkäufer. Als Soldat fiel er 1916 im I. Weltkrieg.
Als Schottland am 6. April 1907 in Newcastle-upon-Tyne im James' Park gegen den Gastgeber England (1:1) spielte, standen im schottischen Nationalteam neun (!) "Legionäre", die alle bei englischen Vereinen als Profis spielten. Die einzigen zwei Spieler, die schottischen Vereinen angehörten, waren Verteidiger Charles Bellany Thomson und der Halbrechte Robert Walker, die beide für "Hearts" in Edinburgh spielten. "Bobby" Walker wurde an diesem Tag neuer schottischer Rekordinternationaler (21 Länderspiele). Es war zugleich das 94. Länderspiel in der schottischen Fussball-Historie, in dem erstmals kein Glasgower Spieler aufgeboten worden war.

Robert "Bobby" Walker
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Am 7. April 1907 standen sich zum 3. Mal Ungarn und Tschechien gegenüber, die sich zuvor zweimal unentschieden getrennt hatten. Die Tschechen reisten aus Prag erst unmittelbar vor Spielbeginn in Budapest an, gingen vom Zug direkt zum Spielfeld Millenáris pálya. Die "Magyaren" bewerteten dies als Überheblichkeit der Tschechen, die dann zur Halbzeit auch noch 2:1 führten. In der 2. Spielhälfte bauten die Gäste jedoch konditionell ab und unter dem Jubel von 1.000 Besuchern gelang den Ungarn noch ein 5:2-Erfolg. Drei der fünf ungarischen Treffer erzielte der erst 16jährige József Horváth vom Budapesti Torna-Club.
Victor Sergent (1887-1924) wurde in England geboren. Seine Mutter war Engländerin, sein Vater Franzose. Das Fussballspielen erlernte er in Winchester. Später zog es seine Familie nach Paris, wo Victor für den Racing Club de France spielte. Gleichzeitig spielte er noch längere Zeit für AS Saint-Raphaël. Am 21. April 1907 gab er in Brüssel gegen den Gastgeber Belgien sein Debüt im französischen Nationalteam. Der linke Verteidiger bestritt bis 1913 insgesamt fünf Länderspiele.
In Österreich hatten die ersten Länderspiele in Wien auf dem WAC-Platz oder auf dem Cricketer-Platz stattgefunden. Doch zwischen beiden Vereinen einerseits und dem "Österreichischen Fussball-Bund" (ÖFB) andererseits war es zu einem Streit gekommen, so daß der Wiener AC und die "Cricketer" weder ihren Platz noch ihre Spieler zur Verfügung stellten. So mußte das Länderspiel gegen Ungarn (3:1) am 5. Mai 1907 nach Rudolfsheim verlegt werden. Der Rapid-Platz hatte längsseits ein Gefälle von 1,25 m. Sieben Rapid-Akteure, die daran gewöhnt waren, wurden im österreichischen Nationalteam aufgeboten und nutzten diesen Vorteil.
Als Argentinien am 6. Oktober 1907 in Montevideo gegen Uruguay (2:1) gewann, war Linksaußen Ricardo Malbrán mit seinen beiden Treffern der Matchwinner. Der Flügelstürmer spielte für den Club Atlético San Isidro. Von Beruf war er Arzt und im Hospital tätig, das den Namen seiner Familie trug.
Als sich am 3. November 1907 in Budapest Ungarn und Österreich (4:1) begegneten, trugen nach jedem Tor Brieftauben ein "Telegramm" nach Wien, Graz, Linz und Prag. Zwei der vier ungarischen Tore erzielte der am 26. Juni 1884 geborene Linksaußen Dr. Gáspár Borbás von MAC Budapest, der sein Studium als Veterinär-Mediziner beendet hatte. Mittelläufer der "Magyaren" spielte Izidor Kürschner-Szcs vom MTK Budapest. Der damals 22jährige "Dori" Kürschner sollte noch ein großer und erfolgreicher Trainer werden, auch in Deutschland und in der Schweiz.
1908
Sune Almkvist (4.2.1886-8.8.1975) spielte für IFK Uppsala und nahm 1908 am olympischen Fussballturnier in London teil. Er war ein schneller und beweglicher Rechtsaußen. Eigentlich war er ein Universalsportler und wurde im Volksmund nur "Bandykungen" (Bandykönig) genannt. Seine sportliche Bilanz war imponierend: 4facher Fussball-Internationaler (1908), 11facher schwedischer Meister im Bandy, 2facher schwedischer Meister im Tennis und zudem ein sehr guter Golfer.
Harald August Bohr (22.4.1887-21.1.1951) nahm 1908 am olympischen Fussballturnier in London teil und spielte für Akademisk Boldklub København. Der rechte Läufer bestritt von 1908 bis 1910 vier Länderspiele für Dänemark und war der Bruder des weltberühmten Physikers Niels Henrik David Bohr (7.10.1885 - 18.11.1962), der selbst auch aktiv im gleichen Verein Fussball spielte, aber nicht den Sprung ins Nationalteam schaffte, dafür aber später für seine Forschungserfolge den Nobelpreis erhielt.
Beim Länderspiel Schweiz gegen Deutschland (5:3) am 5. April 1908 hatten die Schweizer zwei promovierte Akteure aufgeboten. Im Tor stand Dr. Ivan Dreyfuss von Servette FC Genève und im Sturm auf der halbrechten Position spielte Dr. Siegfried Pfeiffer vom FC Basel, der auch zwei Treffer erzielte. Einen Treffer für die "Eidgenossen" steuerte mit einem Eigentor Ernst Jordan bei, der rechte Verteidiger vom Magdeburger Fußball- und Cricket Club Victoria 1896. Ernst Jordan, geboren am 18. Mai 1883, hieß eigentlich Ernst Langmeier, spielte jedoch stets unter dem Pseudonym "Jordan". Dem DFB war dies offensichtlich nicht bekannt und führte ihn als "Ernst Jordan".
Bei der deutschen Länderspielpremiere gegen die Schweiz am 5. April 1908 stand Fritz Baumgarten vom Berliner FC Germania 1888 im Tor, ein 19jähriger Oberprimaner, der bei Gewitterregen fünf Gegentore hatte hinnehmen müssen und nie wieder berufen wurde. Der jüngste Akteur im deutschen Team war Linksaußen Willy Baumgärtner vom Düsseldorfer SV 1904. Mit nur 17 Jahren und 104 Tagen war er zugleich der jüngste deutsche Nationalspieler aller Zeiten. Bis 1909 bestritt der Flügelstürmer vier Länderspiele in Folge für Deutschland, ohne einen Treffer erzielt zu haben. Um 1930 wanderte Willy Baumgärtner nach Südamerika aus und ließ sich im brasilianischen São Paulo nieder, wo er am 16. November 1953 auch verstarb.
Als Norwegen am 12. Juli 1908 in Göteborg gegen Schweden (3:11) hoch verlor, bestritt bei den Gästen der Linksaußen vom Ski og FK Mercantile Kristiania sein einziges Länderspiel. Der am 20. Januar 1889 in Bergen geborene Tryggve Herman Gran sollte noch berühmt werden, aber nicht als Fussballer. Zunächst spielte er aber für den Bergen Fodboldklub ebenso Fussball wie in der Schweiz bei La Villa Longchamp Ouchy Lausanne, wo er ab dem 13. Lebensjahr seine Schulausbildung fortsetzte. Nach seiner Rückkehr nach Norwegen spielte er für Mercantile, bestritt das erwähnte Länderspiel und wurde in der norwegischen Hauptstadt als Pilot ausgebildet. Parallel zu allem war er ein ausgezeichneter Skiläufer geworden.

Tryggve Herman Gran
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Als der Engländer Robert Falcon Scott für seine Südpolexpedition (1910-1913) einen Skiinstrukteur benötigte, wählte er den Norweger Tryggve Herman Gran aus. Diese Expedition stand in Konkurrenz einer norwegischen Expedition, die unter Roald Amundsen dann auch 1911 zuerst den Südpol überquerte. Gran war auch zum Polarforscher geworden, doch er war ein leidenschaftlicher Pilot. Am 30. Juli 1914 überflog er von Schottland aus als erster Mensch die Nordsee und landete nach vier Stunden und zehn Minuten in Norwegen, südlich von Stavanger in Reve. Während des I. Weltkrieges diente er als Pilot dem britischen Militär, erhielt Kriegsorden und wurde Major. 1919 war er der erste Mensch, der die Strecke von London nach Stockholm flog und gehörte zu jenen, die als Zweite mit einem Flugzeug den Atlantischen Ozean überquerten. Später schrieb er mehrere Bücher und war fast 90jährig als er am 9. Januar 1979 in Arendal verstarb.
Als Ungarn am 5. April 1908 in Budapest ein Länderspiel gegen Tschechien (5:2) gewann, hütete Dr. Paul von Goldberger das ungarische Tor. Er war ein gebürtiger Deutscher aus Freiburg und hatte bereits in Wien unter dem Pseudonym "Gilly" gespielt, bevor er dem ungarischen Zweit-Ligisten "33" FC Budapest beitrat. Der 1880 geborene deutsche Torhüter war für Ungarn gar nicht spielberechtigt gewesen, auch wenn die "Magyaren" ihn als Dr. Pál Goldberger-Gilly im Schrifttum festhielten. Sein jüngerer Bruder, Karl von Goldberger, der in Berlin studierte, war auch Torhüter und spielte gleichfalls unter dem Pseudonym "Gilly" und nahm mit den Berliner T.u.FC Britannia 1892 an der deutschen Endrunde 1903 und 1904 teil und wurde 1907 mit dem Freiburger FC deutscher Meister.
Arnoldo Pablo Watson Hutton (20.8.1886-29.7.1951) war der Mittelstürmer vom Alumni AC Buenos Aires und der Sohn von Alejandro Watson Hutton, dem großen Pionier des argentinischen Fussballs, der aber ein gebürtiger Schotte war. Arnoldo bestritt von 1906 bis 1913 17 Länderspiele für Argentinien, in denen er sechs Tore erzielte. Er war ein drahtiger Typ, gehörte seit 1906 dem Meister-Team Alumni an und entwickelte sich noch zu einem Torjäger.
Als die Norweger am 12. Juli 1908 in Göteborg ihr Länderspieldebüt (3:11 gegen Schweden) gaben, hatten sie als Mittelläufer Poul Houmann vom Ski og FK Mercantile Kristiania aufgeboten, der während des Spieles verletzt wurde, aber nicht ausgewechselt werden konnte, da ein Ersatzspieler fehlte. Doch er war ein Belgier, der vorübergehend aus beruflich Gründen in der norwegischen Hauptstadt Oslo lebte, die damals noch Kristiania hieß. Poul Houmann (16.5.1883-21.2.1978) war für Norwegen gar nicht spielberechtigt gewesen. Nach seiner Rückkehr nach Belgien spielte er ab der Saison 1908/09 wieder für seinen alten Verein, den Racing Club de Bruxelles, und ab 1912 noch für Standard Club Liégeois. Als die belgische National-Elf im April 1909 in London gegen Englands Amateur-Nationalmannschaft spielte, gehörte der Mittelfeldspieler Houmann zunächst zum belgischen Auswahlaufgebot, kam aber dann nicht zum Einsatz.

Poul Houmann
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Am 20. April 1908 in Berlin gegen die englische Amateur-Nationalmannschaft (1:5) gab Otto Hantschick vom Berliner T.u.FC Union 1892 sein Länderspieldebüt. Der am 11. Februar 1884 geborene Verteidiger studierte in Frankfurt am Main Malerei und Zeichnung und war nach Studienende nach Berlin übergesiedelt. Zu den sechs Debütanten im deutschen Nationalteam an diesem Tag gehörte auch Rechtsaußen Adolph Gehrts vom FC Victoria 1895 Hamburg. Der schnelle und pfiffige Flügelstürmer, am 30. Oktober 1886 geboren, fiel am 17. Januar 1943 im II. Weltkrieg.
Sein Vereinskamerad und Partner auf dem rechten Flügel bei der Hamburger Victoria war Hermann Garrn, der im Volksmund nur "Etsche" oder "Etje" genannt wurde. Der Halbrechte Hermann Garrn (11.3.1888-27.3.1964) hieß eigentlich Hermann Ehlers. Er bestritt von 1908 bis 1909 zwei Länderspiele für Deutschland. Hans Schmidt, am 2. November 1887 in Berlin geboren, schloß sich bereits als Schüler dem Berliner FC Germania 1888 an, wo er sich zu einem guten Rechtsaußen entwickelte. Außerdem erlernte er den Beruf eines Kaufmanns. Am 7. Juni 1908 bestritt er sein einziges Länderspiel für Deutschland (2:3 gegen Österreich). Er fiel am 9. Juli 1916 als Soldat im I. Weltkrieg.
Evelyn Henry Lintott wurde am 2. November 1883 in Godalming (Surrey) geboren und besuchte die King Edward VI Grammar School und das St. Luke‘s College in Exeter, wo er auch Fussball zu spielen begann. Woking, Surrey County, Plymouth Argyle und ab 1907 Queen‘s Park Rangers (London) waren seine weiteren Stationen. Er entwickelte sich zu einem kraftvollen und cleveren linken Außenläufer, der ein gutes Paßspiel pflegte und Spielübersicht besaß. Von 1907 bis 1908 bestritt er als Mittelläufer vier offizielle A-Länderspiele mit der englischen Amateur-Nationalmannschaft. Erst im Sommer 1908 wurde er Profi, wechselte im November des gleichen Jahres zum Bradford City AFC und 1912 noch zu Leeds City. Von 1908 bis 1909 bestritt er auch sieben Länderspiele mit dem englischen Nationalteam. Bis 1911 war er längere Zeit Chairman der englischen "Players Union" und als Lehrer tätig. Während des I. Weltkrieges diente er im 1st Yorkshire Regiment und fiel am 1. Juli 1916 an der Somme im Nordosten Frankreichs.
Als Belgien am 12. April 1908 in Paris gegen Frankreich (2:1) gewann, bekam ihr Torhüter Robert Hustin von seinem Arbeitsgeber letztlich keine Freistellung. So erhielt kurzfristig der Reserve-Torhüter Henri Leroy vom selben Verein Racing Club de Bruxelles eine Chance, die er nutzte. Henri Leroy bestritt in der Folgezeit 18 Länderspiele, Robert Hustin kam dagegen nur auf insgesamt zehn. Als Belgien am 26. April 1908 in Rotterdam gegen die Niederlande (1:3) verlor, verletzte sich ihr Außenläufer Georges Mathot. Obwohl ein Auswechseln eines Spielers nicht erlaubt war, stimmte der niederländische Kapitän "Bok" de Korver zur Halbzeitspause einem Spielerwechsel zu, so daß Camille Vanhoorden für Mathot spielen konnte. Ob diesen Spielerwechsel der englische Referee John T. Howcroft bemerkt hatte, ist unbekannt.
William Lennie wurde am 26. Januar 1882 in Glasgow geboren und kam über den Mossvale FC im Jahre 1901 zum Queen's Park FC Glasgow, doch nach jeweils einer Saison wechselte er zu den Rangers, Dundee, Fulham und Aberdeen (1905-1913), wo er etwas seßhaft wurde und als Linksaußen auch zu seiner eigentlichen Form fand. 1908 absolvierte er auch drei Länderspiele für Schottland und war damit der erste Nationalspieler der "Dons". Nachdem er ein junges Girl aus Aberdeen geheiratet hatte, wanderte er mit diesem in die USA aus.
Der berühmteste irische Verteidiger nach der Jahrhundertwende war William Robert McCracken, der bis dato 11 Länderspiele absolviert hatte und als Profi für Newcastle United spielte. Der am 29. Januar 1883 geborene Verteidiger hatte am 22. Februar 1902 sein Länderspieldebüt gegeben, als er noch für den Distillery FC Belfast spielte. Vor dem Länderspiel gegen England am 15. Februar 1908 in Belfast verlangte "Billy" McCracken plötzlich das 5fache des üblichen Honorars. Daraufhin wurde er von der IFA suspendiert, durch "Sandy" Craig von Glasgow Rangers ersetzt und die IFA berief ihn bis 1919 nicht wieder ins Nationalteam.

William Robert "Billy" McCracken
Foto: Colorsport
Die Sport-Gewaltigen der Österreich-Ungarischen Monarchie trieben mit den Tschechen ein böses Spiel. Zunächst wurde auf ihr Betreiben Tschechien im Juni 1908 von der FIFA ausgeschlossen, so daß sie keine Länderspiele mehr austragen durften. Zudem wurde beschlossen, daß die deutschsprachigen "Nicht-Tschechen", die in Prag und Umgebung lebten und spielten, auch im österreichischen Nationalteam eingesetzt werden konnten. So spielten 1908 Johann Schwarz, Robert Cimeras, Dr. Paul Fischl, Robert Merz, Ernst Thurm und Ladislaus Kurpiel, alle vom Deutschen Fußball-Club (DFC) Prag, im österreichischen Nationalteam, das vom 6. Juni bis 8. Juni 1908 an drei aufeinanderfolgenden Tagen drei offizielle Länderspiele bestritt und dabei gegen England (1:11) die höchste Niederlage in ihrer Länderspiel-Historie hinnehmen mußte.
Dr. Louis Otten wurde am 5. November 1883 geboren, studierte Medizin und spielte für Quick Den Haag. Von 1907 bis 1911 absolvierte er 12 Länderspiele für die Niederlande. "Lou" Otten war ein sehr zuverlässiger linker Verteidiger. Beruflich machte der Mediziner noch mehr Furore, wurde Professor und erfand einen Impfstoff gegen die Pest. Er verstarb am 7. November 1946.
James Hamilton Speirs wurde am 22. März 1886 in Glasgow geboren und gelangte über die örtlichen Vereine Annandale und Maryhill im Jahre 1905 zum großen Ortsrivalen Glasgow Rangers. Später ging er nach England und spielte dort für den Bradford City AFC (1907-1912) und Leeds City. Mit "The Paraders" gewann er 1911 den "English Cup" und zuvor hatte er am 7. März 1908 ein Länderspiel für Schottland (2:1 gegen Wales) bestritten. Er war ein Innenstürmer, der etwas zurückhängend spielte und seine Mitspieler gut in Szene setzte. Als Soldat fiel er am 20. August 1917 im I. Weltkrieg.
Maurice Vandendriessche (geb. 1887) bestritt 1908 zwei Länderspiele für Frankreich, als er nach den damaligen Gesetzen noch nicht volljährig war. Er spielte rechten Läufer und gehörte dem Racing Club de Roubaix an, mit dem er im gleichen Jahr auch französischer Meister wurde. Während des I. Weltkrieges absolvierte er unter dem Pseudonym "Vandendey" (Militär)Auswahlspiele für Belgien und nahm später auch die belgische Staatsbürgerschaft an.
Der französische Torhüter Zacharie Baton aus Lille, der von 1906 bis 1908 drei Länderspiele bestritt, wurde in Frankreich als Kriegsheld geführt. Er verletzte sich im I. Weltkrieg und wurde in Serbien gefangen. Danach gelang ihm die Flucht und er kämpfte weiter an der Front, wo er erneut in Gefangenschaft geriet und ihm sein linker Arm amputiert werden mußte.
Am 8. Mai 1908 im Spiel gegen die Niederlande (1:4) in Rotterdam gehörten die Brüder Julien und Victor Denis zum französischen Aufgebot. Während Julien Denis vom Racing Club de Calais als Mittelläufer begann, war sein jüngerer Brüder Victor vom Union Sportive Tourquennoise nur Reservist. Doch Victor (geb. 12.1.1889) wollte unbedingt spielen. So heckten beide Brüder den Plan aus, daß Julien eine Verletzung vortäuschen sollte, damit der Bruder auch zum Einsatz käme. Dies geschah dann in der 55. Spielminute unter Zustimmung der Niederländer. Irgendwie kam diese Täuschung heraus, so wurden beide Brüder damit bestraft, indem sie nie wieder zu einem Länderspiel eingeladen wurden. Während Victor später ein berühmter Journalist wurde, fiel Julien Denis bereits 1914 im I. Weltkrieg.
Schließlich sei erwähnt, daß von den französischen Länderspielen des Jahres 1908, auch jene vom olympischen Fussballturnier, in allen französischen Printmedien und Jahrbüchern bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts permanent falsche Spieler in den Mannschaftsaufstellungen veröffentlicht wurden. Erst das französische IFFHS-Mitglied Pierre Cazal konnte diesen Nachweis bringen und dies korrigieren.
1909
Frederick Beaconsfield Pentland wurde am 18. September 1883 in Wolverhampton geboren, wuchs aber im benachbarten Birmingham bei Small Heath fussballerisch auf. Als dieser Verein 1903 gerade den Aufstieg in die I. Division geschafft hatte, wechselte er zu Blackburn Rovers, wo er in der Saison 1905/06 nur noch Reservist war und dann zu Brentford wechselte. Queens Park Rangers London (1907/08) und Middlesbrough (1908-1912) sowie jeweils kurz Haifax Town und Stoke FC waren seine weiteren Stationen."Fred" Pentland war als Rechtsaußen schnell, geschickt im Umgang mit dem Ball und glänzte mit seinen Flanken. 1909 bestritt er fünf Länderspiele für England. In der Saison 1913/14 ging er als Trainer auf das europäische Festland nach Deutschland, wo er nach Ausbruch des I. Weltkrieges grundlos vier Jahre interniert wurde. In der Saison 1920/21 fungierte er als Trainer in Frankreich und danach bis 1936 auch in Spanien. Er verstarb am 16. März 1962.
Anläßlich des FIFA-Kongresses in Budapest bestritten die Ungarn vom 29. bis 31.Mai 1909 drei Länderspiele auf dem Millenáris pálya. Gegen das englische Nationalteam (2:4 & 2:8) wurde zweimal verloren, während sich die "Magyaren" von Österreich (1:1) unentschieden trennten. Bei den Gastgebern glänzte der junge linke Flügel mit Imre Schlosser und Dr. Gáspár Borbás. Als einziger Akteur bestritt der 19jährige Torhüter Ferenc Bihary-Büchelmayer alle drei Länderspiele an diesen drei Tagen.
In Frankreich war die USFSA Ende 1908 völlig unüberlegt aus der FIFA ausgetreten, so daß der national konkurrierende Verband CFI deren Platz einnahm, bei dem nur Vereine mit international unerfahrenen Spielern registriert waren. Doch diese mußten nun in den Länderspielen eingesetzt werden, da die bisherigen Nationalspieler Vereinen der USFSA angehörten, die nun nicht mehr im Nationalteam spielberechtigt waren. So verloren die Franzosen ihre beiden Länderspiele 1909 chancenlos gegen Belgien (2:5) und Englands Amateure (0:11).
Deutschland bestritt am 16. März 1909 in Oxford ein A-Länderspiel gegen die englische Amateur-Nationalmannschaft. Die Überfahrt an der Straße von Dover war am Tag zuvor bei sehr stürmischer See erfolgt. So litten einige Spieler am Spieltag noch unter der Seekrankheit. Sicher hat dies auch zur 0:9-Niederlage der deutschen Elf beigetragen, in der Erich Massini vom Berliner FC Preussen als linker Verteidiger aufgeboten worden war. Der am 13. September 1889 in Berlin geborene Abwehrspieler war von dieser Seekrankheit noch nicht befreit, so daß seine Leistung entsprechend war und es sein einziges Länderspiel blieb. Er fiel am 26. Juli 1915 im I. Weltkrieg.
George Hebdin (19.4.1889-26.3.1970) bestritt am 21. März 1909 in Antwerpen gegen die Niederlande (1:4) sein 3. Länderspiel für Belgien. Erst nach diesem Match fand der belgische Verband heraus, daß der Mittelstürmer von Union St.-Gilloise nur die englische Nationalität besaß und berücksichtigte ihn in den folgenden Länderkämpfen nicht mehr. Erst ein FIFA-Beschluß von 1912 machte seine Rückkehr ins belgische Nationalteam wieder möglich. Danach war ein Ausländer berechtigt, für das neue Land zu spielen, sofern er bereits zehn Jahre in diesem lebte. So spielte George Hebdin ab 1913, inzwischen als Linksaußen, wieder für die "Diables Rouges", mit denen er 1920 Olympiasieger wurde und insgesamt 12mal spielte.

George Hebdin
Foto: IFFHS
Am 4. April 1909 kam Deutschland in Karlsruhe zu seinem ersten Länderspielsieg (1:0 gegen die Schweiz). Großen Anteil daran hatte der rechte Verteidiger Dr. Otto Nicodemus, am 21. Juni 1886 im Wiesbadener Stadtteil Biebrich geboren, der ein stämmiger und schlagsicherer Abwehrspieler war. Er hatte Naturwissenschaften studiert, wurde später Leiter eines Laboratoriums und spielte noch für den Freiburger FC. Außerdem zählte er noch zu den sachverständigsten deutschen Philatelisten. Er verstarb am 2. Dezember 1966 an den Folgen eines Schlaganfalls.
Deutschland hatte am 4. April 1909 wie einst die Engländer die Unsitte eingeführt, an ein und demselben Tag zwei gleichberechtigte Nationalteams aufzustellen, die jeweils offizielle A-Länderspiele bestritten. So spielte das eine Team - wie erwähnt - in Karlsruhe und das andere in Budapest (3:3 gegen Ungarn). Gegen die "Magyaren" spielte auf der halbrechten Angriffsposition Leopold Richter (22.5.1885 - 3.8.1941), der das Wettiner Gymnasium in Dresden besucht hatte und für den Dresdner SC spielte. Mit dem DSC und seinen beiden Brüdern Reinhard und Franz stieß er 1905 bis ins Semifinale der deutschen Meisterschaft vor. Wegen des Universitätsstudiums ging er dann nach Leipzig, wo er sich dem dortigen VfB anschloß. Im Oktober 1909 erlitt er eine schwere Knieverletzung, die seine sportliche Laufbahn quasi beendete. Nach dem Studium ging er nach Dresden zurück, wo er als Studienrat bis zu seinem Tod tätig war. Bei diesem 3:3 gegen Ungarn bestritt auf deutscher Seite der am 9. November 1886 in Berlin geborene Fritz Schulz als Linksaußen sein einziges Länderspiel. Er spielte für den Berliner SC Hertha 1892, war von Beruf Schriftsetzer und fiel am 5. März 1918 im I. Weltkrieg.
James Main wurde am 29. Mai 1886 in West Calder (Midlothian) geboren und begann schon im Jugendalter beim Hibernian FC Edinburgh zu spielen, wo er sich zu einem resoluten rechten Verteidiger entwickelte. In der Saison 1904/05 kam er ins Liga-Team der "Hibs", in dem er in der folgenden Saison Titular wurde. Am 15. März 1909 bestritt er in Glasgow ein Länderspiel für Schottland (5:0 gegen Irland). Zu Weihnachten zog er sich eine innere Verletzung zu, an der er am 29. Dezember 1909 nur 23jährig verstarb.
Harold McDonald Paul wurde am 31. August 1886 in Gourock (Renfrewshire) geboren und schloß sich schon im Jugendalter dem Glasgower Amateurverein Queen's Park FC an, dem er bis 1914 die Treue hielt. Er entwickelte sich zu einem Linksaußen, der schnell war und einen kräftigen Schuß besaß. Da er die Crieff Academy besuchte, die auch eine große Rugby-Schule war, war er natürlich auch ein guter Rugby-Spieler geworden. Er wurde Veterinär-Mediziner, spezialisierte sich als Veterinär-Chirurg und war vor allem in England beruflich tätig. Er bestritt 1909 zwei Länderspiele für Schottland und diente während des I. Weltkrieges im Royal Army Veterinary Corps. Er verstarb am 19. April 1948.
Maurice Pryce Parry wurde 1878 in Trefonen bei Oswestry geboren, wo er bis 1898 bei der heimischen United spielte, bevor er über Long Eaton Rangers, Leicester Fosse (1898/99), Loughborough, Brighton United im März 1900 zum Liverpool FC kam, für den er dann 207 Liga-Spiele bestritt. Partick Thistle (1909-1911) und wieder Oswestry United waren seine letzten Stationen als Spieler vor dem I. Weltkrieg. Von 1901 bis 1909 bestritt er 16 Länderspiele für Wales. Maurice Parry war von Beruf Ingenieur und war niemals Profi. Er war ein unermüdlich und konstant spielender Außenläufer, der 1906 mit den "Reds" englischer Meister wurde. Nach dem Kriegsdienst fungierte er als Manager bei Rotherham County (1921-1923), danach war er Coach in Liverpool, Barcelona, Düsseldorf, Frankfurt, Köln und in Jersey (USA). Er verstarb am 24. März 1935 an einer chronischen Bronchitis, verursacht durch eine Gasvergiftung, die er während des I. Weltkrieges erlitten hatte. Sein drei Jahre jüngerer Bruder Thomas David Parry spielte von 1896 bis 1905 nur für Oswestry United, bestritt sieben Länderspiele für Wales und spielte Außenläufer wie Halbstürmer.
Ioan Haydn Price wurde im Februar 1883 in Maerdy (Glamorganshire) geboren und kam über Mardy Corinthians und Aberdare im Dezember 1904 zu Aston Villa. Danach spielte er für Burton United, Wrexham (1908/09), Leeds City, Shrewsbury Town (1910/11), Walsall (1911-1915) sowie während des I. Weltkrieges gelegentlich für die Londoner "Spurs". Er spielte Außenläufer oder Halbstürmer und absolvierte von 1907 bis 1909 fünf Länderspiele für Wales. Er war sprintstark und besaß ein gutes Abspiel. Ab 1919 war er bei verschiedenen Vereinen als Sekretär-Manager tätig. Von Beruf war er Lehrer und wurde oft auch "the Birmingham schoolmaster" genannt. Er verstarb am 7. März 1964 in Portsmouth.
Leigh Richmond Roose wurde am 27. November 1877 als Sohn eines presbyterianischen Ministers in Holt bei Wrexham geboren. Er besuchte die Holt Academy und das University College of Wales in Aberystwyth. Bei diesem Universtäts-Team begann er auch seine Torhüterlaufbahn. 1898 wechselte er zum Ortsrivalen Aberystwyth Town, mit dem er den "Welsh Cup" gewann. In der Saison 1900/01 spielte er zunächst für Druids FC Ruabon und dann für London Welsh, da er am King's College Hospital in London sein Medizinstudium fortsetzte und sich auf dem Gebiet der Bakteriologie spezialisieren wollte. Trotzdem schloß er sich 1901 dem Erst-Ligisten Stoke FC an, wo er sofort Titular war. Er blieb Amateur und fuhr an jedem Wochenende trotz Studium von London aus mit der Eisenbahn quer durch England.

Leigh "Dick" Richmond Roose
Foto: IFFHS
Im Waliser Nationalteam spielte Leigh Roose von 1900 bis 1911 24mal. Mit Stoke stieg er 1907 ab und nach einem halben Jahr in der II. Division wechselte er zu Jahresbeginn 1908 zum Sunderland AFC, wo er ad hoc wieder Titular war. Seine Strapazen wurden dadurch noch größer, denn zu jedem Heimspiel mußte er von London aus mit der Eisenbahn bis ganz in den Nordosten des Landes reisen. 1911 ließ seine Form nach, so wechselte er jeweils nach wenigen Monaten den Verein: Huddersfield Town, Aston Villa und Woolwich Arsenal London, wo er 1912 sein letztes Erst-Liga-Match bestritt. Die Einstellung von "Dick" Roose war grandios, zumal er Amateur blieb. Auf dem Spielfeld war er mutig, strahlte viel Ruhe und Sicherheit aus. Privat war er ein leidenschaftlicher Kartenspieler und der Schwager des walisischen Rugby-Internationalen J. C. Jenkins. Er war jedoch ein ewiger Medizinstudent. Während des I. Weltkrieges diente er im 9. Bataillon Royal Fusiliers und erhielt mehrere militärische Auszeichnungen. Am 7. Oktober 1916 fiel er als Corporal an der französischen Front.
Im schwedischen Nationalteam, das am 6. November 1909 in Hull der englischen Amateur-Nationalmannschaft (0:7) unterlag, spielten in der Sturmreihe die drei Bergstöm-Brüder. Rechtsaußen spielte Gustaf (6.7.1884-9.2.1938), auf der halbrechten Position Erik (6.1.1886-30.1.1966) und auf Linksaußen Henrik Bergstöm (1889-1945). Die meisten Länderspiele von diesem Brüdertrio bestritt Erik Bergstöm, der in seinen sieben Einsätzen auch sechs Tore erzielte.
Charles Graham Webb wurde am 14. September 1886 als Sohn des Sergeanten William Webb in den Curragh Army Barracks (Kildare) geboren. Er bestritt 1909 zwei Länderspiele für Irland, als er für den englischen Verein Brighton & Hove Albion spielte. Zuvor spielte der Halblinke für The Bohemians FAC Dublin. Später wurde er Corporal im Chesshire Regiment.
1910
Andrew Ducat wurde am 16. Februar 1886 in Brixton geboren und besuchte die Brewery Road School und Compton House School in Southend, wo er auch das Fussballspielen erlernte. Über Westcliff Athletic und Southend Athletic kam er im Februar 1905 zum Woolwich Arsenal FC London. Von 1912 bis 1921 spielte er für Aston Villa und danach noch drei Jahre für den Fulham FC, den er anschließend noch zwei Spieljahre managte. Anfangs spielte "Andy" Ducat Mittelstürmer, doch seine ideale Position fand er dann als Außenläufer, wo er seine taktischen Fähigkeiten und fast akademische Spielweise besser zur Geltung bringen konnte. Von 1910 bis 1921 bestritt er sechs Länderspiele für England und wurde 1920 mit den "Villans" englischer Pokalsieger. Doch "Andy" Ducat war auch Kricket-Nationalspieler und spielte in dieser Sportart von 1906 bis 1931 für Surrey. Insgesamt skorte er über 23.000 runs. Später coachte er das Kricket-Team von Eton und war auch als Journalist tätig. Er verstarb am 23. Juli 1942 während eines Kricket-Matchs.
Frankreich verlor 1910 seine drei Länderspiele und mußte damit bereits 10mal in Folge eine deutliche Länderspielniederlage hinnehmen. Als das französische Nationalteam am 16. April 1910 in Brighton gegen die englische Amateur-Nationalmannschaft (1:10) anzutreten hatte, trat am Tag zuvor völlig unvorbereitet der zufällig (!) am Bahnhof anwesende Auguste Tousset anstelle des kurzfristig verhinderten Joseph Delvecchio die Reise nach England mit an. Der Linksaußen von Etoile des Deux Lacs erzielte dann gar noch den Ehrentreffer.
Harold Thomas William Hardinge wurde am 25. Februar 1886 in Greenwich geboren und spielte für Maidstone United, bevor er sich 1905 Sheffield United anschloß, wo er zwei Jahre benötigte, ehe er den Sprung ins Liga-Team schaffte, dann aber bis 1913 Titular war. Woolwich Arsenal FC London (1913-1921), das sich 1914 in Arsenal FC London umbenannt hatte und ab der Saison 1919/20 der I. Division angehörte, war dann seine letzte Station im Soccer. Der Halbstürmer pflegte auf dem Spielfeld den Individualismus, war aber sehr listig, um die gegnerische Abwehr zu überlisten. Er bestritt nur 1910 ein Länderspiel für England. "Harry" Hardinge war aber auch ein Kricket-Internationaler, spielte in dieser Sportart von 1902 bis 1933 für Kent und skorte über 33.000 runs. Beruflich gehörte er zu dem Personal des Sportausrüsters John Wisden. Zwischendurch war er einige Jahre in den USA und Spanien als Trainer tätig. Er verstarb am 8. Mai 1965.
Wilhelm Trautmann wurde am 6. Dezember 1888 in Mannheim geboren, zählte aber trotz seiner Jugend zu den Pionieren des dortigen Fussballs. Er selbst spielte für den Mannheimer FC Victoria 1897, bis dieser 1911 mit dem Ortsrivalen FG zum Verein für Rasenspiele (VfR) Mannheim fusionierte. Wilhelm Trautmann war Mannheims erster Nationalspieler, als dieser am 3. April 1910 in Basel gegen die Schweiz (3:2) als Mittelläufer sein einziges Länderspiel bestritt. Ursprünglich war er ein Leichtathlet und verzeichnete bereits regionale Erfolge im Mehrkampf. Auf dem Rasen belebte er das Spiel und bewies auch wiederholt seine Schußstärke. 1914 wurde er Soldat und kehrte aus dem I. Weltkrieg schwer verwundet zurück. Seine sportliche Laufbahn konnte er nicht fortsetzen. Beruflich wurde er ein Schweine-Großhändler. Er verstarb am 24. Juli 1969.

Wilhelm Trautmann
Foto: Kicker-Sportmagazin
Willy Fick wurde am 17. Februar 1891 in Lurup (Pinneberg) geboren und wuchs sportlich beim FV Holstein Kiel auf, der 1908 aus dem FC Holstein hervorgegangen war. Der Halblinke bestritt bei den Kieler "Störchen" am 17. April 1910 in Hamburg ein Endrundenspiel um die deutsche Meisterschaft (4:1 gegen Berliner FC Preussen) und gab eine Woche später sein Länderspieldebüt in Arnhem (2:4 gegen die Niederlande), um wiederum eine Woche später das Semifinale um die nationale Meisterschaft (6:0 gegen FC Tasmania 1900 Rixdorf) zu bestreiten. In allen drei Spielen gehörte Willy Fick zu den Torschützen. Als sein Verein 1911 wieder um die deutsche Meisterschaft spielte, spielte sein jüngerer Bruder Hugo Fick auf der Rechtsaußenposition, während Willy verletzungsbedingt fehlte. 1912 gelang es den Kieler "Störchen"endlich, die deutsche Meisterschaft zu gewinnen, mit den Brüdern Hugo und Willy Fick auf den Halbstürmerpositionen. Doch wenige Monate später erkrankte Willy Fick und verstarb nach langer Krankheit am 5. September 1913 nur 22jährig.
Nicht viel älter wurde ein anderer Debütant im deutschen Nationalteam am 24. April 1910, der am 24. März 1889 in Stuttgart geborene Gustav Unfried, der Außenläufer vom Berliner FC Preussen. Er war mit dem FC Stuttgarter Kickers 1908 deutscher Vizemeister geworden und ein Jahr später nach Berlin gewechselt. Von Beruf war er Landvermesser und mußte wie so viele andere als Soldat in den I. Weltkrieg ziehen, wo er am 13. September 1917 fiel.
William Hibbert wurde am 21. September 1884 in Golborne bei Wigan (Lancashire) geboren, wo er auch die Schule besuchte und das Fussball-ABC erlernte. Über Newton le Willows und Brynn Central kam er 1906 zum Bury FC. Im Oktober 1911 wechselte er zu Newcastle United und 1920 zu Bradford City. Seine letzte Saison (1922/23) spielte er dann für Oldham Athletic. Der Halbrechte war körperlich nicht sehr groß, aber sehr fleißig und enthusiastisch auf dem Spielfeld. Sein einziges Länderspiel für England bestritt er am 2. April 1910 in Glasgow (0:2 gegen Schottland). 1923 ging er als Coach in die USA, wo er u.a. Coats FC (Rhode Island) trainierte. Im Juni 1927 ging er als Trainer nach Spanien. 1930 kehrte er nach England zurück, wo er zunächst in seiner Geburtsortnähe Wigan Borough trainierte, bevor er ab 1938 in Blackpool lebte und arbeitete, bis zu seinem Tod am 16. März 1949.
John C. Hehir war der Torhüter von The Bohemians FAC Dublin und bestritt am 11. April 1910 in Wrexham ein Länderspiel für Irland (1:4 gegen Wales). Doch für "Jack" Hehir war der Soccer oft nur Nebensache, da seine große Liebe dem Gaelic Football gehörte, in dem er öfter im irischen Auswahlteam stand.
Die italienische Länderspielpremiere vollzog sich am 15. Mai 1910 in Mailand, als die Italiener zu einem klaren Sieg gegen Frankreich (6:2) kamen, wobei der 22jährige Pietro Lana vom Milan FCC drei Tore erzielte. Doch die Italiener hatten den Sieg über die damals international schwachen Franzosen maßlos überschätzt und waren dann deprimiert, als 11 Tage später exakt die gleiche italienische Elf in Budapest gegen Ungarn (1:6) hoch verlor. Ein solches Debakel war außer jeglicher Vorstellungskraft der Südeuropäer gewesen.
Robert Faas wurde am 3.Juli 1889 in Pforzheim geboren und erlernte den Beruf eines Mechanikers. Fussballerisch wuchs er mit seinem älteren Bruder Emil beim heimischen 1.FC auf, der gleichfalls Torhüter war und mit dem der 1.FC Pforzheim 1906 deutscher Vizemeister wurde. Robert Faas bestritt 1910 ein Länderspiel für Deutschland und war sehr talentiert. Doch er erkrankte bald und erlag 1914 einer heimtückischen Krankheit.

Robert Faas
Foto: Kicker-Sportmagazin
Das Länderspiel am 16. Mai 1910 in Duisburg gegen Belgien (0:3) fand nur einen Tag nach dem deutschen Meisterschaftsfinale in Köln zwischen dem Karlsruher FV und FV Holstein Kiel (1:0 n.Verl.) statt. Der DFB hatte offensichtlich schlecht geplant und organisatorisch versagt. Vor dem Länderspiel standen die Deutschen mit nur sieben (!) angereisten Spielern da. Unter den 8.000 Zuschauern auf dem Spiel-Verein-Platz mußten weitere Spieler gesucht werden, um das Team zu ergänzen und um das Länderspiel überhaupt bestreiten zu können. So kamen Alfred Berghausen (Duisburger SC Preußen), Dr. Peco Bauwens (Kölner FC 1899) sowie Lothar Budzinsky und Christian Schilling (beide Duisburger SV) völlig unerwartet zu einem A-Länderspiel. Als in der 55. Minute Mittelstürmer Dr. Peco Bauwens, der später noch ein europäischer Top-Referee und nach dem II. Weltkrieg DFB-Präsident werden sollte, verletzt ausschied, kam mit Andreas Breynk vom Duisburger SC Preußen ein weiterer zufällig anwesender Spieler zu Länderspielehren. Andreas Breynk (4.7.1890 - 12.7.1957) beendete 1911 seine aktive Laufbahn und wanderte nach Rußland aus.
George Law wurde am 13. Dezember 1885 in Arbroath geboren und spielte zunächst für den heimischen Football Club, bevor er im März 1907 zu den Glasgow Rangers wechselte. Von 1912 bis 1916 spielte er noch für Leeds City. Mit den Rangers stand er 1909 im schottischen Pokalfinale und wurde zwei Jahre später schottischer Meister. Als rechter Verteidiger war er schnell und wendig, besaß einen kraftvollen Schlag, auch war er hart, aber fair im Zweikampf. 1910 bestritt er drei Länderspiele für Schottland. George Law studierte, wurde Ingenieur und war auch als solcher stetig tätig.
In Wales den Überblick zu behalten, war wahrlich nicht leicht, zumal dort auch die Nationalspieler ohne Vornamen veröffentlicht wurden. In der Periode 1876 bis 1940 gab es 31 verschiedene Nationalspieler mit dem Familiennamen Davies und gar 42 verschiedene mit dem Familiennamen Jones. Diese Rangfolge setzt sich fort mit Williams (17mal), Evans (15mal), Roberts (12mal), Hughes (11mal), Lewis (11mal), Morris (9mal) und Owen (9mal). Hinzu kam, die vielen Verwandtschaftsverhältnisse zu eruieren. Das IFFHS-Exekutiv-Komitee-Mitglied Ian Garland (Chesham) leistete diesbezüglich echte Pionierarbeit.
George C. Robertson wurde 1870 in Stonefield (Lanarkshire) geboren und spielte zunächst für Yorker Athletic und Motherwell FC, bevor er im März 1910 nach England ging und in den folgenden zehn Jahren für Sheffield Wednesday spielte. Er war ein sehr talentierter und antrittsschneller Linksaußen und bestritt 1910 bis 1914 vier Länderspiele für Schottland. Infolge einer Knieverletzung mußte er im Mai 1920 seine aktive Laufbahn beenden. Er hatte studiert, war Lehrer geworden, emigrierte aber in den 1920er Jahren nach Kanada, wo er 1943 auch verstarb.
Das österreichische Nationalteam reiste im November 1910 ohne Trainer und mit nur zehn Akteuren zum Länderspiel gegen Ungarn nach Budapest. Der Verteidiger Fritz Drexler vom First Vienna FC hatte den Zug bei der Abfahrt in Wien verpaßt. Die Österreicher hatten sich bereits darauf eingestellt, in Unterzahl das Länderspiel bestreiten zu müssen. Doch dann geschah etwas Unerwartetes, der nachgereiste Fritz Drexler kam elf (!) Minuten vor dem Anpfiff des deutschen Unparteiischen Edgar Blüher auf dem Millenáris pálya an und vervollständigte das Gästeteam, das dennoch 0:3 verlor.
Robert Hense wurde am 17. November 1885 in Köln geboren und besuchte das Marzellen-Gymnasium, wo er auch Fussball zu spielen begann, bevor er sich dem örtlichen Verein Rhenania anschloß. 1903 wechselte er dann zum Kölner Ballspiel-Club. Anfangs spielte er im Sturm, später wurde er ein besserer Verteidiger. Als solcher bestritt er am 16. Oktober 1910 sein einziges Länderspiel für Deutschland (1:2 gegen die Niederlande). Als Kaufmann war er 1911 in Frankreich (Paris & Roubaix) tätig, hielt aber ansonsten seinem Kölner Verein stets die Treue und betrieb in der Domstadt auch ein Fahrradgeschäft. Er war auch ein sehr guter Ruderer und Tennisspieler und betrieb selbst Sport bis ins hohe Alter, ehe er am 20. Juni 1966 verstarb.
Als "Lomme" Vanden Eynde (Union St.-Gilloise) am 7. Mai 1910 das belgische Fussball-Idol Charles Cambier (FC Brugeois) so schwer foulte, daß der Flame eine doppelte Beinfraktur erlitt, mußte der Täter dieser Schandtat um sein Leben rennen, denn Charles Brüder Arthur und Joseph, die beide auch dem Team aus Brügge angehörten, jagten ihn auf dem Spielfeld und waren bereit, ihn zu erwürgen. Eine große Zahl an Spielern, Ordnern und Betreuern mußte die Brüder davon abhalten. Guillaume Vanden Eynde war schon mehrfach wegen seiner rücksichslosen Spielweise kritisiert worden. Der belgische Verband UBSSA suspendierte den 26jährigen Übertäter hierauf lebenslänglich! Der Heilungsprozeß der komplizierten Frakturen benötigte zwei (!) Jahre, ehe der belgische Nationalkapitän wieder spielen konnte. Das verhängnisvolle Spiel hatte anläßlich des "Tournoi International de l'Exposition" in Brüssel stattgefunden. "Lomme" Vanden Eynde hatte nun genügend Zeit, sich dem Rudern zu widmen, wo er auf nationaler Ebene noch besser war. Doch 1912 wurde er überraschend wieder begnadigt.

Charles Cambier
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