Mitropa Cup (1927 - 1945)

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------by IFFHS----

 Eine Folge des I.Weltkrieges war im sogenannten Donau-Raum die staatliche Neubildung von Österreich, Ungarn, Jugoslawien und der Tschechoslowakei sowie weiterer Grenzkorrekturen. All diese Völker strebten nach Eigenständigkeit und internationaler Anerkennung. Der Fussballsport war dazu ein geeignetes Mittel. Kaum waren die ersten Nachkriegsjahre und ärgsten Nöte überwunden, begann in dieser europäischen Region auch ein wirtschaftlicher Aufschwung und bereits Mitte der 20er Jahre wurde die Einführung des Berufsfussballs in Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei legalisiert. Der professionelle Fussball trug in diesen Ländern zu einer erheblichen Leistungssteigerung bei.

 Dies wurde nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch auf internationaler durch das jeweilige Nationalteam sichtbar. Anfangs gab es in Europa nur Freundschafts-Länderspiele, doch mit den olympischen Fussballturnieren gab es spätestens seit 1912 einen krönenden Wettbewerb für alle Länder, während die Briten bereits seit 1884 ihre Meisterschaft auf Auswahlebene alljährlich ausspielten, ebenso wie die Südamerikaner ihre "Copa América" (seit 1916). Die grandiosen Leistungen bei den olympischen Turnieren 1924 und 1928 sowie die engstirnige Haltung des IOC forcierten dann bei der FIFA die Ausspielung einer Weltmeisterschaft. Auf Auswahlebene zeichnete sich frühzeitig ein Konzept von Wettbewerben ab, das bald auch andere Kontinente (und Teil-Kontinente) erfaßte.

 Die internationalen Kontakte auf Vereinsebene beschränkten sich bis dato auf Freundschaftsspiele, Wochenendturniere und Auslandstourneen. Doch mit der Einführung des Berufsfussballs auf dem europäischen Festland erlangte der Vereinsfussball eine größere Bedeutung, zumal die Vereine die Spieler nunmehr auch bezahlen mußten. Der Österreicher Hugo Meisl, in Österreich und bei der FIFA längst ein führender Kopf, zudem Verbandskapitän und Referee, hatte die geniale Idee eines internationalen Club-Wettbewerbs. Es sollte sich bald herausstellen, daß es nicht nur eine epochale, sondern eine der besten Ideen war, die der internationale Fussball bis heute hatte.

 Die Grundidee des österreichischen Pioniers war, daß jeweils die nationale Meisterschaft die Qualifikation für eine Teilnahme an der internationalen Konkurrenz sein sollte, wodurch die nationalen Liga-Meisterschaften noch aufgewertet wurden. Die Konkurrenz wurde im K.o.-System mit Hin- und Rückspiel unter Anwendung des Gesamttorverhältnisses ausgespielt, wobei es letztlich zwei Endspiele gab. So einfach war das "Ei des Kolumbus"! Das Geburtsdatum war der 31.März 1927, in dem auch ein in Wien ansässiges Mitropa Cup-Sekretariat gebildet wurde, in dem Hugo Meisl und der Ungar Ing.Fischer die führenden Köpfe waren.

Hugo Meisl (Austria)
Foto: IFFHS

 Hugo Meisl hätte von Beginn an gern neben den besten ungarischen, österreichischen und tschechoslowakischen Vereinen auch jene von Deutschland dabei gehabt, doch in Deutschland existierte keine nationale Liga, die deutsche Endrunde und die ersten Spiele des Mitropa Cups überschnitten sich zeitlich. Von der DFB-Führung wurde auch argumentiert, daß da professionelle Teams beteiligt sind, doch die Wahrheit war, daß keiner der führenden DFB-Funktionäre fachlich und geistig imstande war, die Auswirkungen einer mitteleuropäischen Vereinsmeisterschaft zu erkennen.

 So ließ man 1927 noch die jugoslawischen Vereine starten, da die Italiener noch keine National-Liga und damit nicht die erhoffte Spielstärke im Verhältnis zur "Squadra Azzurra" hatten. In den ersten Jahren war es vor allem in Österreich aufgrund langfristiger Auslandstourneen schwierig, den Meister und Vizemeister teilnehmen zu lassen. Gegebenenfalls wurde das durch den Pokalsieger oder das nachfolgend plazierte Team in der Meisterschaft ergänzt. Aufgrund des schwachen sportlichen Abschneidens der jugoslawischen Vereine und der Bildung der italienischen Serie A kam es 1929 zu einem rigorosen "Austausch", da wurden die jugoslawischen Vereine durch italienische ersetzt. Außerdem hatte die zunehmende Zahl an Südamerikanern die Spielstärke der italienischen Vereine erheblich verbessert und im Ausland attraktiver gemacht.

 Gelegentliche Tumulte und Krawalle bei den Spielen konnten den spontan einsetzenden Siegeslauf des Mitropa Cups nicht stoppen, die Zuschauerresonanz und Einnahmen überstiegen alle Erwartungen. Zudem traf das Mitropa Cup-Komitee stets kluge und weitsichtige Entscheidungen. Übrigens leitet sich der Name des Pokals durch ein Sponsoring ab, denn die Vereine reisten damals in den Mitropa-Wagen der Eisenbahn zu den Auswärtsspielen.

 1934 entschloß man sich, von den vier starken Fussball-Ländern Italien, Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei jeweils die vier erstplazierten Teams der Meisterschaft starten zu lassen, womit die Konkurrenz mit dem Achtelfinale begann. Auch vermied man stets, daß zwei Vereine eines Landes aufeinander trafen, so lange es theoretisch möglich war. Der Reiz dieses mitteleuropäischen Wettbewerbs faszinierte die Fans, Aktiven und Funktionäre, und andere Länder bewarben sich um eine Teilnahme ihrer Vereine, die dickfelligen Deutschen ausgenommen. Auch die Rumänen und Bulgaren wollten mitmachen.

 Doch das Mitropa Cup-Komitee ging vorsichtig an eine Erweiterung heran. Man wollte eine leichtfertige leistungsmäßige Verwässerung und einen Verlust der Attraktivität von der 1.Runde an vermeiden. Die Italiener und Tschechen befürworteten nachdrücklich eine Erweiterung der Konkurrenz, auch jene zugunsten Rumäniens und Jugoslawiens. Doch diese wurde noch 1936 von den Ungarn und Österreichern abgelehnt. So fand man schließlich einen Kompromiß, der einem Test glich.

 1936 durften die vier erstplazierten Teams der Schweizer Meisterschaft jeweils gegen einen Vierten der Meisterschaft von Italien, Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei quasi eine Vorrunde bestreiten. Auch legte man fest, daß 40 % der Einnahmen jeweils an die Gäste gingen (mindest jedoch 3.000 SFr), die Termine wurden gestrafft (einheitliche Spieltage), Rasenplätze (Budapest) wurden zur Bedingung erhoben und Drahtgitterzäune mußten zur Abgrenzung der Zuschauer errichtet werden. Der Schweizer Test verlief übrigens sehr negativ, sie waren alle chancenlos gewesen.

 Die gigantische sportliche und materielle Entwicklung des Mitropa Cup war nicht mehr aufzuhalten. Der Mitropa Cup wurde längst als "goldenes Kalb" gehuldigt. Er überstand auch die Weltwirtschaftskrise und wurde für nicht wenige Vereine zum "rettenden Strohhalm". Teils unbefriedigende Schiedsrichterleistungen, Chauvinismus und Erregungen (verursacht durch die "lokale Brille") sowie Disziplinlosigkeit der Spieler wurden durch geschickte Entscheidungen und Maßnahmen umschifft oder positive begegnet. Die grenzenlose Anziehungskraft des Mitropa Cup auf die Medien und Fans war auch in der Einfachheit des Wettbewerbs und in einer Vielzahl von Weltklassespielern zu sehen, die in den teilnehmenden Teams spielten.

F. l. t. r. Dr.György Sárosi (Ferencvárosi TC Budapest), Matthias Sindelar (FK Austria Wien), Sándor Tátrai (Ferencvárosi TC Budapest).
Foto: Archiv
 

  Ab 1937 waren dann die Clubs aus sieben Ländern vertreten, jene aus Italien, Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei mit je drei Teams, die Schweiz mit zwei sowie Rumänien und Jugoslawien nur durch ihren Meister. Auch hatte man bereits die Fühler nach Spanien ausgestreckt. Hugo Meisl war sich sicher, daß dann auch alle territorial  dazwischen liegenden Länder (vor allem Frankreich) schnell hinzukämen. In Gedanken war eine Europameisterschaft auf Vereinsebene längst existent, die es Schritt für Schritt zu realisieren galt, ohne bisher Erreichtes leichtfertig in Frage zu stellen.

 Doch all dies litt vorerst unter drastischen politischen Veränderungen und mußte gar erst einmal eingeschränkt werden. 1937 kam es in Genua zu einem Spielverbot, das österreichisch-italienische Spannungen hervorrief, und die Schweizer Vereine verzichteten 1938 auf eine Teilnahme am Mitropa Cup. Dafür durften die Rumänen und Jugoslawen nun mit je zwei Teams teilnehmen. Der spanische Bürgerkrieg machte eine Ausdehnung des Mitropa Cups auf die Pyrenäen-Halbinsel zur Utopie.

 Der Einmarsch der Deutschen 1938 und die Annexion Österreich ans "Deutsche Reich" verhinderte 1938 eine Teilnahme der österreichischen Vereine am Mitropa Cup. Durch je vier - statt drei wie im vorangegangenen Jahr - Clubs aus den drei großen Fussball-Ländern Italien, Ungarn und der Tschechoslowakei sowie je zwei rumänische und jugoslawische Vereine konnte man trotzdem mit einem Achtelfinale starten.

 Doch die zunehmend veränderte politische Lage und die drohende Kriegsgefahr ließ 1939 das Teilnehmerfeld aus denselben Ländern jeweils um 50 % sinken, so daß mit dem Viertelfinale gestartet wurde. Analog ging man dann 1940 in die Konkurrenz, die dann aufgrund der Kriegsereignisse jedoch nicht ganz beendet werden konnte. Der Abbruch erfolgte vor den Finals.

 Der II. Weltkrieg unterbrach die Fortsetzung des Mitropa Cup-Wettbewerbs. Es gibt keinen Zweifel, der geistige Vater des Europapokals der Landesmeister ist der Mitropa Cup und damit indirekt das Genie Hugo Meisl. Die Franzosen bewirkten in den 50er Jahren nur die Wiedergeburt dieser genialen Ideen.

 

 

Hugo Meisl  (Österreich)

Spieler - Referee - Funktionär - Trainer - Sportjournalist - Organisator - Verbandskapitän - ÖFB-Generalsekretär - FIFA-Administrator - Fussball-Diplomat - Vordenker - Vater des »Wiener Wunderteams«

Geboren am 16. November 1881 in Ostrava (Mähren)
Gestorben am 17. Februar 1937 in Wien
Spitzname:  "Kapellmeister"
Beruf: Kaufmann
Position als Spieler: Rechtsaußen
Sprachen: Tschechisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Ungarisch, Spanisch, Serbokroatisch
Vereinszugehörigkeit: 1895-1903 Vienna Cricket and Football Club
Referee:  16 A-Länderspiele (5.Mai 1907 - 21. Mai 1923)
Nationalcoach:  138 A-Länderspiele (5. November 1911 - 24. Januar 1937)

 Hugo Meisl siedelte 6jährig mit seinen Eltern nach Wien um. Er hatte zwei Brüder, Leopold (machte sich im Schwimmsport einen Namen) und Willy (geb. 26.12.1895), der sogar im österreichischen Nationaltor der Fussballer und Wasserballer stand und später ein bekannter Fussballjournalist wurde. Hugo entwickelte sich bei den "Cricketern" zu einem schnellen und dribbelstarken Flügelstürmer. Nachdem er die Wiener Handelsakademie absolviert hatte, ging er zweieinhalb Jahre nach Paris und Triest (Italien).

 1905 war er ein geprüfter Schiedsrichter und erwies sich als ein ausgezeichneter Refereee, so daß sein Aufstieg geradezu komentenhaft verlief, auch wurde er schnell ein führender Funktionär im österreichischen Schiedsrichterwesen. Er war ein sehr regelsicherer Unparteiischer mit guten Menschenkenntnissen. Parallel gehörte er dem Verbandsvorstand des Österreichischen Fussball-Bundes (ÖFB) an, wo er zunächst auch "Reiseleiter" des Nationalteams wurde, aber bald in die Rolle des Verbandskapitän wuchs, wodurch er entscheidenden Einfluß auf die Aufstellung des Nationalteams nahm, auch in jener Zeit als der Engländer "Jimmy" Hogan das Team als Trainer auf das olympische Turnier in Stockholm vorbereitete.

Stockholm (21.05.1923): Sweden - England (2:4), f. l. t. r. Basil Clement Alderson Patchitt, Hugo Meisl (referee), Sven Friberg (Sweden).
Foto: IFFHS

 Danach war Hugo Meisl der Alleinverantwortliche des Nationalteams. Nebenbei war er Sektionsleiter und zeitweise auch Trainer des am 15. März 1911 gegründeten Wiener Amateur-Sportvereins (WAS), wo sein Bruder Willy spielte. Im I. Weltkrieg diente Hugo Meisl von Oktober 1914 bis September 1918 als Oberleutnant, vor allem in Serbien. Nach Kriegsende übernahm er wieder das Amt des Verbandskapitäns, das zwischenzeitlich Heinrich Retschury ausübte.

 Unter der "Wiener Schule" verstand man ein betont flaches Zuspiel in Form eines bevorzugten Dreieckspiels, während die Tschechen ihr "mala uliča", ein direktes Kuzpaßspiel pflegten, und die Ungarn ihr "tempo magyarok", ein schnelles über die Flügel vorgetragenes Angriffsspiel bevorzugten. Hugo Meisl suchte nach einem Weg, der alle diese Eigenschaften verband und setzte alle Hebel in Bewegung, um dieses Ziel zu erreichen. In seinen Gedanken war Hugo Meisl oft revolutionär, da er über ein enormes Wissen verfügte und im Stande war die logischen Schlußfolgerungen zu ziehen.

Hugo Meisl with "Edi" Bauer (co-trainer) and the players Franz Erdl, Wilhelm Holec and Karl Rainer before a training session.
Foto: IFFHS

 Anfangs erntete er Hohn und Spott, als er bereits 1904 von einer Weltmeisterschaft sprach und diese Vorstellung bereits vor dem I. Weltkrieg dem FIFA-Generalsekretär Carl Anton Willem Hirschman (Niederlande) mitteilte oder später der große Initiator der Einführung des Berufsfussballs in Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei war. Dabei ging es ihm um die Hebung des Leistungsniveaus. Betreffs des Profifussballs zog Hugo Meisl energisch gegen die Heuchler aus Italien, Ungarn, Deutschland und der Tschechoslowakei zu Felde. Seine Genialität bestätigte er als Ideengeber und Initiator des Mitropa Cups eindrucksvoll.

 Allein mit dem österreichischen A-Team legte er 116.000 Kilometer mit dem Zug zurück. Dazu coachte er auch die österreichische B-Auswahl und Wiener Stadtauswahl. Und was keiner für möglich hielt, Hugo Meisl war über ein Vierteljahrhundert für den Fussballsport ehrenamtlich tätig. Doch 1929 fiel er einige Monate infolge einer Erkrankung und Operation aus. Doch ansonsten gab er stets den Takt an, symbolisch mit einem Gehstock, der fortan zu seinem Markenzeichen wurde.

 Natürlich hatte Hugo Meisl auch heftige Kritiker, doch deren Stimmen verstummten, als beispielsweise vom 1. August 1931 bis 31.Juli 1932 östereichische Vereine 338 Spiele gegen ausländische Gegner bestritten, von denen 309 im Ausland stattfinden und die Bilanz 234 Siege, 37 Unentschieden und nur 67 Niederlagen war. Hugo Meisl war auch Stammgast im Wiener Ring-Café in der Berggasse 9, wo er mit Fachleuten und Kritikern diskutierte. Privat war er ein geistvoller und köstlicher Plauderer. Bei Verhandlungen und Tagungen war er aber geschickt und gewandt und durch seine internationalen Ansichten und seine extreme Vielsprachigkeit beliebt und anerkannt.

 Hugo Meisl, der verheiratet war und drei Kinder hatte, gehörte auch zu den Initiatoren des "Nationen-Pokals", der nach den tschechoslowakischen Ministerpräsidenten Svehla benannt wurde, da dieser einen wertvollen Pokal stiftete. Diese Konkurrenz wurde von den Nationalteams von Italien, Österreich, Ungarn, Schweiz und Tschechoslowakei in einem 3-Jahres-Rhythmus ausgespielt, erstmals 1927-1929.

Entry in the golden book of the town Glasgow (29.11.1933): F. l. t. r. "Jimmy" Hogan, Franz Binder (behind), Josef Bican, Franz Wagner, Georg Braun, Anton Janda, Karl Sesta, Peter Platzer, Anton Schall, Lord Mayor, Hugo Meisl (on the desk).
Foto: IFFHS

 Nachdem durch die Einführung des Professionalismus der österreichische Fussball Ende der 3. Dekade stärker geworden war, testete Hugo Meisl die verschiedenen Spielertypen und formte ein Team, das als das »Wiener Wunderteam« in die Geschichte des Weltfussballs eingehen sollte. Es war weniger die Serie ohne Niederlage, sondern die Art und Weise, wie das österreichische Nationalteam spielte. Es war ein technisch brillantes, eine harmonische Einheit bildendes und ideenreich spielendes Team, das offensiv ausgerichtet war. Die Geburtsstunde des »Wunderteams« vollzog sich am 16. Mai 1931, als Schottland (5:0) besiegt wurde. Danach wurde Deutschland eine Lehrstunde größten Ausmaßes (6:0) erteilt. Meist folgten grandiose Siege gegen andere Länder.

 Bei der Weltmeisterschaft 1934 in Italien galt Österreich als einer der Top-Favoriten, doch Hugo Meisl war wegen seiner FIFA-Funktion selten bei seinem Team. Im Achtelfinale vergaben die Österreicher viele Torchancen, so daß sie gar eine Verlängerung benötigten. Im Viertelfinale ging es gegen den Erzrivalen Ungarn und im Semifinale trafen die Österreicher in Mailand auf den Gastgeber Italien. Der schwedische Referee Ivan Eklind, der ein Bewunderer des "Duce" war, machte einige Chancen der Österreicher zunichte. Am Ende verlor Österreich durch ein Tor des gar nicht spielberechtigten Enrique Guanita. Natürlich wußte Hugo Meisl, daß der Argentinier wie auch dessen Landsmann Luis Felipe Monti nach dem damaligen Reglement gar nicht für Italien spielberechtigt waren, doch der sonst so einflußreiche Hugo Meisl vermochte sich nicht gegen die faschistischen italienischen Organisationen und FIFA World Cup Committee durchzusetzen.

 Interessant ist, daß Hugo Meisl eine enge Freundschaften zum legendären italienischen Nationalcoach Vittorio Pozzo (ein Holz-Industrieller) und den Coach von Arsenal FC London Herbert Chapman (ein Bergbau-Ingenier) pflegte, der den Mittelverteidiger kreierte. Völlig unerwartet verstarb Hugo Meisl am 17. Februar 1937 um 11.30 Uhr an einem Herzversagen, mitten bei der Ausübung seiner Aufgaben als Verbandskapitän im ÖFB-Haus, das im Februar 1933 eingeweiht worden war. Vier Tage später wurde er auf dem Zentral-Friedholf in Wien begraben.

FIFA World Cup Committee 1934: F. l. t. r. Dr. Ivo Schricker (FIFA/Germany), Dr. Karel Johannes Julianus Lotsy (Netherlands), Hugo Meisl (Austria), Giovanni Mauro (Italy/President), Dr. Ing. Ottorino Barassi (Italy), Ing. Mór Fischer (Hungary), Dr. Peco Bauwens (Germany).

Foto: IFFHS

 13 Monate später wäre dies nicht mehr möglich gewesen, denn da begann das Drama mit dem Einmarsch der Hitler-Truppen. Meisl‘s Gegner kamen immer aus dem Lager der "Nationalen" und das "Dritte Reich" (Deutschland) hatte eine totale Hetzkampagne gegen ihn geführt. Die beiden führenden "Kicker"-Leute Müllenbach und Becker aus Nürnberg brachten es sogar fertig, auf 48 Seiten österreichische Fussballgeschichte ("Das Wunderteam") nicht ein einziges Mal den Namen Hugo Meisl zu erwähnen! Auch im erfolgten Reprint 1991 geschah dies nicht. Und die deutschen Sport-Medien sind im Verschweigen noch immer Meister.

 In chauvinistischer und bewußt verfälschter Weise berichtete der bekannte deutsche Fussball-Journalist Ernst Werner über Hugo Meisl anläßlich eines Berichtes über den FIFA-Kongreß 1928 in Amsterdam: "Im Plenum ist Hugo Meisl, ein Wiener Jude, mit der Geschmeidigkeit seiner Rasse und ihrem zersetzenden Sinn einer der größten Kartenmischer. Er und der deutsche Fussballführer Linnemann - zu Hause ein geschätzter Kriminalist - sind die stärksten Gegensätze, die man sich denken kann. Der eine ein Vertreter des krassen Geschäftsmachens mit Fussball, der andere ein Apostel des Amateurismus. In Wirklichkeit hat der Berufsfußball in Wien den Amateurfussball zum Verrecken verurteilt und keiner kümmert sich darum." Dieser Beitrag wurde 1928 - fünf Jahre vor der Machtergreifung der Faschisten - veröffentlicht und Österreichs Amateure wurde 1936 Olympia-Zweiter, während Gastgeber Deutschland frühzeitig ausgeschieden war.

 

Editorial Board:
Dr. Alfredo Pöge (Germany)
Robert Franta (Austria)

Translators:
Ian Garland (England)
Francisco Hernández Flor (Spain)
Dr. Alfredo Pöge (Germany)
Stéphane Lach (France)